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Stahlgipfel fasst erste Beschlüsse zusammen

Photo by Greg Rosenke / Unsplash

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Im Kanzleramt trafen sich Politik, Industrie und Gewerkschaften, um konkrete Maßnahmen zur Stabilisierung der deutschen Stahlbranche zu vereinbaren. Die IG Metall betont, dass die Wirkung der Beschlüsse von der schnellen Umsetzung abhängt. Hintergrund sind sinkende Rohstahlproduktionen und drohende Werkschließungen durch internationale Billigimporte. Die Gewerkschaft fordert klare politische Rahmenbedingungen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte das Treffen einberufen, um Lösungen zu erarbeiten, die direkt oder indirekt rund 5,5 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland schützen.

Ein zentraler Punkt der Vereinbarungen ist die Einführung eines Industriestrompreises zum 1. Januar 2026. Der Preis soll energieintensive Branchen wie die Stahlproduktion vor den Folgen volatiler Energiepreise schützen. Die Bundesregierung verpflichtet sich außerdem, in Brüssel für Schutzzölle gegen Stahlimporte aus Drittstaaten zu werben. Bei öffentlichen Aufträgen soll künftig bevorzugt europäisches und deutsches Stahlmaterial eingesetzt werden. Die IG Metall sieht darin einen ersten Schritt, die heimische Produktion zu stärken und Abhängigkeiten von Importen zu verringern, die oft unter sozialen und umweltrechtlichen Bedingungen entstehen.

Die Dringlichkeit der Maßnahmen zeigt sich in aktuellen Zahlen. Von Januar bis September 2025 fiel die Rohstahlproduktion in Deutschland um elf Prozent. Bei der Hochofenproduktion lag der Rückgang bei mehr als 13 Prozent. ArcelorMittal und andere Unternehmen hatten angekündigt, Standorte in Bremen und Eisenhüttenstadt nicht auf klimafreundliche Verfahren umzustellen. Die IG Metall wirft dem Unternehmen Kurzsichtigkeit vor und warnt, dass fehlende Investitionen in die Transformation Arbeitsplätze gefährden und die industrielle Wertschöpfungskette schwächen.

Für technische Entscheider im Mittelstand ergeben sich weitreichende Folgen. Sinkende Produktionskapazitäten könnten Lieferengpässe und Preisschwankungen verstärken. Die IG Metall betont, dass die Transformation sozial gestaltet werden muss. Dazu gehören Qualifizierungsprogramme für Beschäftigte und die Einbindung der Belegschaften in Entscheidungsprozesse. Nur so lässt sich die Akzeptanz für den Umbau sichern. Das gilt auch für mittelständische Unternehmen, die eigene Transformationsprozesse planen oder durchführen.

Die Gewerkschaft mahnt, dass die vereinbarten Maßnahmen nicht in Bürokratie stecken bleiben dürfen. Insbesondere der Ausbau der Wasserstoffwirtschaft als Schlüssel für eine klimaneutrale Stahlproduktion muss beschleunigt werden. Gleichzeitig ist es notwendig, Übergangslösungen wie die Weiterverwendung von Erdgas weiterhin zuzulassen, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden. Die IG Metall wird zudem prüfen, ob Unternehmen, die staatliche Unterstützung erhalten, Verpflichtungen zur Standortsicherung und Investitionen in die heimische Produktion eingehen.

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