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HAI streicht weitere Stellen und fordert politischen Kurswechsel

Photo by Patrick Pankalla / Unsplash

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Der österreichische Aluminiumhersteller Hammerer Aluminium Industries, kurz HAI, reduziert erneut Personal. Laut dem Unternehmen werden 20 Stellen im Verwaltungsbereich der Zentrale in Ranshofen gestrichen. Seit 2022 hat das Familienunternehmen damit rund 450 Arbeitsplätze abgebaut. Am Standort Oberösterreich gingen 170 Jobs verloren. Gleichzeitig sank der Umsatz von 989 Millionen Euro im Jahr 2022 auf aktuell 822 Millionen Euro. Die Maßnahmen dienen einer Anpassung an veränderte Marktbedingungen, die das Unternehmen als strukturell statt temporär einstuft.

Gründe für den Rückzug: Strukturelle Probleme und schwache Nachfrage

Geschäftsführer Rob van Gils begründet die Entscheidung mit einer breit angelegten Investitionszurückhaltung bei Kunden aus der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und der Bauwirtschaft. Die Auslastung der Produktionskapazitäten liegt bei rund 60 Prozent und damit deutlich unter wirtschaftlich tragfähigen Werten. HAI hat in den vergangenen Jahren über 100 Millionen Euro in moderne Anlagen investiert, darunter eine neue Strangpresse und ein Logistikzentrum. Die anhaltende Konjunkturabschwächung erfordert weitere Anpassungen. Leiharbeitsverhältnisse wurden reduziert; Pensionierungen wurden nicht nachbesetzt, um den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten. Van Gils warnt jedoch, dass die Branche nicht auf eine schnelle Erholung hoffen darf.

Europäische Aluminiumbranche unter Druck

Die Probleme bei HAI spiegeln eine branchenweite Entwicklung wider. Hohe Energiekosten, strenge CO2-Vorgaben und steigender Importdruck belasten die europäische Aluminiumindustrie erheblich. Zudem führen US-Zölle dazu, dass Aluminiumschrott vermehrt in die USA wandert, was die europäische Kreislaufwirtschaft schwächt. Ab 2026 sollen CBAM-Strafzölle auf Importe aus Drittländern die Wettbewerbsbedingungen angleichen, doch viele Unternehmen fürchten bereits weitere Kostensteigerungen. In Deutschland planen 28 Prozent der Aluminiumunternehmen Stellenstreichungen, 13 Prozent erwägen Produktionsverlagerungen ins Ausland. Die Primärproduktion in Deutschland ist seit 2017 von 550.000 auf 190.000 Tonnen gesunken.

Investitionen trotz Gegenwinds: Zukunftschancen im Fokus

Trotz der schwierigen Lage setzen Unternehmen wie HAI auf langfristige Strategien. Die Branche sieht sich als Schlüsselakteur bei Megatrends wie Leichtbau, Energiewende und Kreislaufwirtschaft. Weltweit steigt die Aluminiumproduktion kontinuierlich und wird von langfristigen Nachfrageimpulsen getragen. In Europa bleibt die Primärproduktion rückläufig, während das Recycling leicht zunimmt. HAI hat seine Anlagen für die Elektromobilität umgerüstet, um künftige Marktchancen zu nutzen. Branchenverbände warnen, dass politische Rahmenbedingungen die Erholung bremsen könnten. Kurzfristige Entlastungen durch staatliche Stromhilfen werden skeptisch gesehen, da sie die strukturellen Probleme nicht lösen.

Politische Forderungen und Branchenwarnungen

Van Gils kritisiert vor allem den Zollstreit zwischen EU und USA sowie die Umsetzung des Green Deal, die die Wettbewerbsfähigkeit behindern. Ähnliche Signale kommen vom deutschen Branchenverband, der vor einem weiteren Schrumpfen des Industriestandorts warnt. Ohne grundlegende politische Anpassungen besteht die Gefahr, dass europäische Unternehmen weiter Boden verlieren. Das hätte Folgen für Beschäftigung und Innovation. Gleichzeitig betont die Branche, dass globale Megatrends wie die Energiewende langfristig robuste Nachfrage sichern könnten. Bis dahin müssten europäische Unternehmen überleben, was nur mit angepassten Rahmenbedingungen gelingen dürfte.

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