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Algerien will sich zu einem zentralen Partner der europäischen Wasserstoffversorgung entwickeln. Zwei internationale Vorhaben treiben die Entwicklung voran. Langfristig könnten sie erhebliche Mengen des grünen Energieträgers nach Deutschland liefern. Für den deutschen Mittelstand ergeben sich damit neue Chancen und auch Herausforderungen.
Infrastruktur als Erfolgsfaktor
Der SoutH2 Corridor bildet das technische Fundament. Die rund 3.300 Kilometer lange Verbindung führt von Nordafrika über Italien und Österreich nach Bayern. Die Europäische Kommission hat das Projekt als Project of Common Interest eingestuft. Das verleiht dem Vorhaben politische Priorität. Ein Teilprojekt heißt HyPipe Bavaria, der Wasserstoff-Hub. Es soll den Wasserstoff vom Importpunkt in Österreich zu industriellen Clustern in Bayern sowie in Norden und Südwesten Deutschlands transportieren.
Algeriens ehrgeizige Pläne
Algerien will sich bis 2040 zu einem führenden Produzenten und Exporteur von grünem Wasserstoff entwickeln. Das Land strebt an, künftig bis zu zehn Prozent des Wasserstoffbedarfs der Europäischen Union zu decken. Über den SoutH2 Corridor könnte damit rund vierzig Prozent des europäischen REPowerEU-Importziels realisiert werden.
Potenzial und Ressourcen
Die Sahara bietet hohe Sonneneinstrahlung und gute Voraussetzungen für die Wasserstoffproduktion. Algerien baut Photovoltaikanlagen stark aus. Im April 2024 lag die installierte erneuerbare Leistung bei 400 Megawatt. Bis 2035 soll sie auf 15.000 Megawatt wachsen. Zudem verfügt das Land über eine vorhandene Energieinfrastruktur mit Untersee-Pipelines. Beispiele sind die Transmed-Pipeline über Tunesien und Italien sowie die Medgaz-Pipeline nach Spanien.
Bedeutung für die deutsche Industrie
Für den deutschen Mittelstand hat die Entwicklung erhebliche Auswirkungen. Grüner Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für Dekarbonisierung von Industrie und Schwerlastverkehr. Eine sichere und vielfältige Versorgung könnte Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit stärken.
Noch offene Fragen
Obwohl Fortschritte zu verzeichnen sind, bleiben zentrale Fragen offen. Es existiert bislang kein stabiler Markt für grünen Wasserstoff. Abnahmeverträge kommen von industriellen Nachfragern. Auf algerischer Seite warten Unternehmen auf klare Signale aus Deutschland, dass grüner Wasserstoff auch tatsächlich abgenommen wird.
