zum Inhalt

Deutsche Bahn setzt auf Bodycams und mehr Personal zur Gewaltprävention

Photo by Oliver Sand / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Zugbegleiter Anfang Februar hat die Deutsche Bahn einen umfassenden Aktionsplan zur Sicherheit vorgestellt. Auf einem Sicherheitsgipfel in Berlin einigten sich Bahnführung, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und Vertreter der Länder auf konkrete Maßnahmen, die noch in diesem Jahr umgesetzt werden sollen. Für technische Entscheider in mittelständischen Unternehmen zeigen die Pläne, wie auch große Organisationen Sicherheitsrisiken systematisch angehen.

Bodycams als Präventivmaßnahme

Im Mittelpunkt steht die Ausrüstung aller Mitarbeitenden mit Kundenkontakt durch Bodycams. Die Kameras sollen noch in diesem Jahr allen Zugbegleitern, Kontrolleuren und Personal an Bahnhöfen zur Verfügung stehen. Die Nutzung bleibt freiwillig. Sicherheitsexperten erwarten vor allem eine abschreckende Wirkung, die Konflikte bereits im Vorfeld entschärfen könnte. Bislang kamen Bodycams bei der Bahn vornehmlich in einzelnen Regionen zum Einsatz. Mit der Ausweitung auf Fernverkehr und alle Bahnhöfe verfolgt das Unternehmen eine deutlich umfassendere Strategie. Bahnchefin Evelyn Palla deutete zudem an, dass Tonaufnahmen in Zukunft denkbar wären, um verbale Übergriffe besser zu dokumentieren.

Ergänzende Sicherheitsmaßnahmen

Neben der Kameratechnik investiert die Bahn in Personal. Es sollen 200 zusätzliche Sicherheitskräfte insbesondere an Bahnhöfen und in Zügen eingesetzt werden. Gleichzeitig wird die persönliche Schutzausrüstung der Mitarbeitenden verbessert und Deeskalationstrainings erweitert. Ein weiterer praktischer Schritt betrifft die Ticketkontrolle: Ab dem 1. März 2026 entfällt im Regionalverkehr die verpflichtende Ausweiskontrolle. Das Kontrollpersonal wird künftig im Einzelfall entscheiden, ob ein Ausweis verlangt wird. Die Bahnführung geht davon aus, dass Routinekontrollen oft Konflikte auslösen und sich so vermeiden lassen.

Technische Infrastruktur und Prävention

Die Deutsche Bahn und die Bundespolizei erweitern die Videoüberwachung an Bahnhöfen und in Zügen. Derzeit sind bundesweit rund 11.000 Kameras im Einsatz. Der Ausbau soll Straftaten verhindern und die Strafverfolgung erleichtern. Parallel dazu wird der bestehende Hilferufknopf weiterentwickelt. Mitarbeitende können damit bei Gefahr unauffällig die Leitstelle informieren. Diese Systeme ermöglichen eine schnellere Reaktion der Polizei oder Rettungskräfte.

Offene Fragen zur Umsetzung

Nicht alle Forderungen wurden erfüllt. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG fordert seit langem eine Doppelbesetzung bei Kontrollen in Regionalzügen. Bundesverkehrsminister Schnieder signalisierte Unterstützung. Allerdings erklärte Christian Bernreiter, Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, dass die Finanzierung nicht flächendeckend gesichert sei. Die Debatte darüber soll auf der Verkehrsministerkonferenz Ende März fortgeführt werden. Auch die Frage der Tonaufnahmen durch Bodycams bleibt zunächst offen.

Gewinnen Sie neue Kunden über das Maschinen Journal
MJ Image

Das Maschinen Journal erreicht jeden Monat tausende Entscheider aus dem industriellen Mittelstand. Nutzen Sie unsere Reichweite, um Ihre Produkte genau dort zu platzieren, wo Kaufentscheidungen entstehen.

Sie wollen mehr Anfragen erzielen?

→ Jetzt Artikel anfragen

Aktuelles

Tagesthemen vom 17.02.2026

Streikwoche bei der Autobahn GmbH Die Gewerkschaft ver.di hat bei der Autobahn GmbH des Bundes eine mehrtägige Streikwelle gestartet. Betroffen sind vor allem Autobahnmeistereien sowie Verkehrs- und Tunnelleitzentralen in vielen Regionen. Hintergrund ist ein Tarifkonflikt für rund 14.000 Beschäftigte. Ver.di fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch

Brüssel verschärft den Blick auf Shein: EU prüft Geschäftspraktiken

Brüssel verschärft den Blick auf Shein: EU prüft Geschäftspraktiken

Die Europäische Kommission hat am 17. Februar 2026 ein formelles Verfahren gegen die chinesische Shopping-Plattform Shein eingeleitet. Hintergrund sind Vorwürfe systematischer Verstöße gegen den Digital Services Act, das zentrale EU-Gesetz für große Online-Plattformen. Die Untersuchung konzentriert sich auf drei Bereiche, die auch mittelständische Unternehmen im E-Commerce betreffen. Illegale Produkte auf

Stellenabbau in der Industrie

Stellenabbau in der Industrie

Die deutsche Industrie steht unter Druck. Im Jahr 2025 baute die Branche mehr als 120.000 Arbeitsplätze ab. Am Jahresende beschäftigte die Industrie rund 5,38 Millionen Menschen. Das waren 124.000 weniger als zwölf Monate zuvor. Die Zahlen stammen aus einer EY-Analyse, die auf Daten des Statistischen Bundesamts basiert.

Streikwoche bei der Autobahn GmbH

Streikwoche bei der Autobahn GmbH

Seit Dienstag läuft eine mehrtägige Streikwelle der Gewerkschaft ver.di bei der Autobahn GmbH des Bundes. Die Arbeitskampfmaßnahmen richten sich gegen den Stand der Tarifverhandlungen. Sie betreffen Autobahnmeistereien sowie Verkehrs- und Tunnelleitzentralen im ganzen Bundesgebiet. Für mittelständische Unternehmen bedeuten die Ausstände erhebliche Planungsunsicherheit in dieser Woche. Kern des Tarifkonflikts Die