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Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Zugbegleiter Anfang Februar hat die Deutsche Bahn einen umfassenden Aktionsplan zur Sicherheit vorgestellt. Auf einem Sicherheitsgipfel in Berlin einigten sich Bahnführung, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und Vertreter der Länder auf konkrete Maßnahmen, die noch in diesem Jahr umgesetzt werden sollen. Für technische Entscheider in mittelständischen Unternehmen zeigen die Pläne, wie auch große Organisationen Sicherheitsrisiken systematisch angehen.
Bodycams als Präventivmaßnahme
Im Mittelpunkt steht die Ausrüstung aller Mitarbeitenden mit Kundenkontakt durch Bodycams. Die Kameras sollen noch in diesem Jahr allen Zugbegleitern, Kontrolleuren und Personal an Bahnhöfen zur Verfügung stehen. Die Nutzung bleibt freiwillig. Sicherheitsexperten erwarten vor allem eine abschreckende Wirkung, die Konflikte bereits im Vorfeld entschärfen könnte. Bislang kamen Bodycams bei der Bahn vornehmlich in einzelnen Regionen zum Einsatz. Mit der Ausweitung auf Fernverkehr und alle Bahnhöfe verfolgt das Unternehmen eine deutlich umfassendere Strategie. Bahnchefin Evelyn Palla deutete zudem an, dass Tonaufnahmen in Zukunft denkbar wären, um verbale Übergriffe besser zu dokumentieren.
Ergänzende Sicherheitsmaßnahmen
Neben der Kameratechnik investiert die Bahn in Personal. Es sollen 200 zusätzliche Sicherheitskräfte insbesondere an Bahnhöfen und in Zügen eingesetzt werden. Gleichzeitig wird die persönliche Schutzausrüstung der Mitarbeitenden verbessert und Deeskalationstrainings erweitert. Ein weiterer praktischer Schritt betrifft die Ticketkontrolle: Ab dem 1. März 2026 entfällt im Regionalverkehr die verpflichtende Ausweiskontrolle. Das Kontrollpersonal wird künftig im Einzelfall entscheiden, ob ein Ausweis verlangt wird. Die Bahnführung geht davon aus, dass Routinekontrollen oft Konflikte auslösen und sich so vermeiden lassen.
Technische Infrastruktur und Prävention
Die Deutsche Bahn und die Bundespolizei erweitern die Videoüberwachung an Bahnhöfen und in Zügen. Derzeit sind bundesweit rund 11.000 Kameras im Einsatz. Der Ausbau soll Straftaten verhindern und die Strafverfolgung erleichtern. Parallel dazu wird der bestehende Hilferufknopf weiterentwickelt. Mitarbeitende können damit bei Gefahr unauffällig die Leitstelle informieren. Diese Systeme ermöglichen eine schnellere Reaktion der Polizei oder Rettungskräfte.
Offene Fragen zur Umsetzung
Nicht alle Forderungen wurden erfüllt. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG fordert seit langem eine Doppelbesetzung bei Kontrollen in Regionalzügen. Bundesverkehrsminister Schnieder signalisierte Unterstützung. Allerdings erklärte Christian Bernreiter, Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, dass die Finanzierung nicht flächendeckend gesichert sei. Die Debatte darüber soll auf der Verkehrsministerkonferenz Ende März fortgeführt werden. Auch die Frage der Tonaufnahmen durch Bodycams bleibt zunächst offen.
Quellen
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/sofortprogramm-deutsche-bahn-2403986
https://www.deutschlandfunk.de/bodycams-fuer-mitarbeiter-und-mehr-personal-in-zuegen-100.html
https://www.evg-online.org/meldungen/details/news/13448/
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/bahn-sicherheit-bodycams-100.html
