zum Inhalt

Das Zwickauer VW Werk im Wandel: Transformation unter wirtschaftlichem Druck

Photo by Simon Kadula / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Vor rund fünf Jahren entschied Volkswagen, die komplette Produktion vom Verbrennungsmotor auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Das Zwickauer Werk in Sachsen stand dabei im Mittelpunkt dieses Vorhabens. Die Umstellung wurde in 26 Monaten abgeschlossen. Das war eine beachtliche Leistung für ein Werk dieser Größe. Die Produktionskosten pro Fahrzeug lagen unter 4.000 Euro. Damit positionierte sich Zwickau als kosteneffizienter Produktionsstandort.

Aktueller Stand

Gegenwärtig läuft die Produktion nur mit rund 50 Prozent der Kapazität. Rund 9.200 Mitarbeitende arbeiten überwiegend im Zwei-Schicht-Betrieb. In Zwickau werden die Modelle ID.3, ID.4, ID.5 sowie der Audi Q4 e-tron und der Cupra Born gefertigt. Im vergangenen Jahr verließen etwa 204.000 Fahrzeuge das Werk. Die ursprüngliche Planung sah die doppelte Stückzahl vor.

Ursachen und Marktdruck

Die Ursachen liegen in der Marktsituation, nicht in technischen Defiziten. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen blieb hinter den Erwartungen zurück. Der Wegfall staatlicher Förderungen im Jahr 2023 traf den Absatz hart. Gleichzeitig steigt der Preisdruck durch chinesische Hersteller. Ab Ende Oktober 2025 tritt Kurzarbeit ein, ausgelöst durch Halbleitermangel.

Strategische Antworten

Die Landesregierung Sachsen und die Werksleitung passen die Strategie an. Ministerpräsident Michael Kretschmer stellte konkrete Forderungen an Volkswagen. Dazu gehört eine garantierte Mindestproduktion von 250.000 Fahrzeugen pro Jahr. Zudem soll regional ein Recyclingzentrum entstehen. Transformation bleibt damit kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess, der sich an Veränderungen anpasst.

Produktionskapazitäten und regionales Ökosystem

Volkswagen baut gleichzeitig neue Produktionskapazitäten auf. Eine neue Presse soll künftig nahezu alle Karosserieteile selbst fertigen. Das reduziert Abhängigkeiten und erhöht die Produktionsflexibilität. In der Region entstehen zudem neue Standorte von Zulieferbetrieben. Dadurch entsteht ein stabiles regionales Ökosystem.

Grenzen der Stabilität und Ausblick

Den Fortschritten stehen auch Grenzen gegenüber. Ab dem zweiten Halbjahr 2026 sollen vier der sechs Modelle an andere Standorte verlagert werden. Die Gläserne Manufaktur in Dresden läuft Ende 2025 aus. Selbst hochmoderne Werke können Produktionsprogramme unter Marktbedingungen nicht garantieren.

Lehren für den Mittelstand

Für mittelständische Unternehmen gilt: Technische Exzellenz und niedrige Kosten reichen nicht aus. Es braucht eine verlässliche Marktentwicklung, stabile politische Rahmenbedingungen und die Fähigkeit, Geschäftsmodelle schnell neu zu bewerten. Zwickau zeigt, dass Transformation ein fortlaufender Prozess ist. Flexibilität bleibt der entscheidende Erfolgsfaktor für den Standort in einer fragmentierten globalen Autoindustrie.

Quellen

https://www.cleanthinking.de/vw-werk-zwickau-mosel-elektroautos-standort/ https://www.elektroauto-news.net/news/vw-werk-zwickau-schliessung-vor-dem-aus https://www.it-boltwise.de/zwickau-vw-standort-mit-potenzial-fuer-elektromobilitaet.html https://www.volkswagen-newsroom.com/de/zwickau-3755 https://www.volkswagen-newsroom.com/de/volkswagen-sachsen-gmbh-werk-zwickau-5901 https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/volkswagen-abfuhr-fuer-kretschmer-keine-garantien-fuer-vw-werke-in-sachsen/100159390.html https://www.bundesumweltministerium.de/interview/carsten-schneider-zwickau-ist-eine-perle-im-vw-konzern https://www.automobil-produktion.de/management/volkswagen-will-werk-in-zwickau-ausbauen/1148263 https://oiger.de/2025/05/02/vw-zwickau-baut-millionsten-stromer/194262 https://www.kettner-edelmetalle.de/news/vw-werk-zwickau-kapituliert-vor-chipmangel-deutschland-verliert-den-anschluss-23-10-2025

Gewinnen Sie neue Kunden über das Maschinen Journal
MJ Image

Das Maschinen Journal erreicht jeden Monat tausende Entscheider aus dem industriellen Mittelstand. Nutzen Sie unsere Reichweite, um Ihre Produkte genau dort zu platzieren, wo Kaufentscheidungen entstehen.

Sie wollen mehr Anfragen erzielen?

→ Jetzt Artikel anfragen

Aktuelles

Tagesthemen vom 05.02.2026

Starker Euro setzt EZB unter Zugzwang Die Europäische Zentralbank belässt den Einlagensatz zwar bei zwei Prozent, gerät aber wegen der Währungsentwicklung zunehmend unter Druck. Der Dollar verliert an Bedeutung, große Investoren und Staaten wie China fahren ihre Dollar-Bestände zurück. Zugleich hat sich der Euro spürbar aufgewertet. Das dämpft zwar die

Kartellamt setzt neue Maßstäbe

Kartellamt setzt neue Maßstäbe

Am 5. Februar 2026 hat das Bundeskartellamt Amazon eine schwere Niederlage zugefügt. Die Behörde verbot dem Onlinehändler, Preisobergrenzen für unabhängige Händler auf dem Amazon Marketplace festzulegen. Zusätzlich verhängte sie eine Strafe von 59 Millionen Euro. Für viele Mittelständler im Onlinehandel ist dies ein wichtiger Sieg im Wettbewerb gegen den Marktplatzbetreiber.

Starker Euro drückt auf EZB-Politik: Zinssenkung rückt in den Fokus

Starker Euro drückt auf EZB-Politik: Zinssenkung rückt in den Fokus

Die Europäische Zentralbank hält ihre Leitzinsen vorerst stabil. Bei ihrer Sitzung am Donnerstag beschloss das EZB-Direktorium, den Einlagensatz unverändert bei zwei Prozent zu belassen. Das entsprach den Erwartungen der Finanzmärkte. Doch hinter dieser Entscheidung zeichnen sich neue Spannungen ab, die die Geldpolitik in absehbarer Zeit verändern könnten. Warum der Dollar

Tagesthemen vom 04.02.2026

Inflation im Euroraum unter EZB-Ziel – aber mit deutlichen Unterschieden Die Inflation in der Eurozone ist im Januar 2026 auf 1,7 Prozent gefallen und liegt damit erstmals seit Herbst 2024 unter dem Zielwert der EZB. Treiber sind vor allem sinkende Energiepreise, die im Jahresvergleich um 4,1 Prozent zurückgingen. Lebensmittel