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Chinas Exportbeschränkungen für Seltene Erden treiben Mittelständler zum Handeln

Photo by Dominik Vanyi / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Die Lieferketten der deutschen Industrie stehen unter zunehmendem Druck. China verschärft seine Exportkontrollen für Seltene Erden deutlich und weitet sie weiter aus. Ursprünglich im April 2025 mit sieben kontrollierten Elementen begonnen, hat sich das Regelwerk bis Oktober 2025 auf weitere Bereiche ausgedehnt. Ab Dezember 2025 fallen auch international gefertigte Produkte, die chinesische Seltenerden enthalten, unter die Ausfuhrbestimmungen. Für viele Mittelständler bedeutet das eine völlig neue Herausforderung, die schnelle Anpassungen in Beschaffung und Compliance nötig macht.

Warum Seltene Erden für die deutsche Industrie zentral sind

Seltene Erden umfassen 17 Elemente, die nahezu alle modernen Technologien antreiben. Sie finden sich in Permanentmagneten, Batterien, Leuchtstoffen und vielen Elektronikbauteilen. Die deutsche Wirtschaft setzt sie besonders in der Automobilproduktion, der Verteidigungsindustrie, der Elektronikfertigung, der Medizintechnik sowie bei Solar- und Windkraftanlagen ein. Ohne diese Rohstoffe funktionieren Motoren und fortgeschrittene Elektronik nicht.

Das zentrale Problem ist die Abhängigkeit von China. Rund 90 Prozent der weltweiten Raffinationskapazitäten für Seltene Erden liegen dort. Die Förderung ist weltweit verteilt, doch die Verarbeitung konzentriert sich nahezu vollständig in China. Auch die USA verfügen nicht über ausreichende Kapazitäten zur Verarbeitung schwerer Seltener Erden. Diese Abhängigkeit macht deutsche Unternehmen anfällig für geopolitische Entscheidungen Pekings.

Die neuen Regeln und ihre praktischen Auswirkungen

Nicht nur direkte Rohstoffexporte stehen unter Kontrolle. Ab Dezember 2025 gilt eine 0,1-Prozent-Regel: Alle im Ausland gefertigten Produkte, die mindestens 0,1 Prozent der spezifizierten Seltenerden enthalten, fallen unter die Ausfuhrkontrollen. Das bedeutet, dass auch europäische oder deutsche Zulieferer, die ihre Produkte in Drittländer weitervertreiben, eine Genehmigung des chinesischen Handelsministeriums benötigen.

Darüber hinaus greifen die Kontrollen nicht nur Fertigprodukte, sondern die gesamte Wertschöpfungskette. Technologien zum Abbau, zur Verarbeitung und zum Recycling von Seltenen Erden fallen ebenfalls unter die neuen Regeln. Für Unternehmen bedeutet das einen erheblichen administrativen Mehraufwand. Sie müssen Stücklisten erstellen, Ursprung und Wert der Seltenerden-Anteile ermitteln und dokumentieren, um Genehmigungen zu beantragen oder genehmigungsfreie Lieferungen rechtfertigen zu können.

Wie angespannt die Lage wirklich ist

Die Situation ist ernst. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe bewertet die Versorgung mit bestimmten Seltenen Erden als „sehr kritisch“. Besonders bei schweren Elementen gibt es kaum Ausweichoptionen. Deutsche Werke hatten Vorräte, die anfängliche Engpässe überbrücken sollten, doch seit April 2025 sind diese Bestände weitgehend aufgebraucht. Der Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking beschreibt die Lage als „sehr angespannt“.

Was möglich wäre, dauert zu lange. Neue Minenprojekte, etwa in Norwegen, könnten langfristig helfen, doch bis dahin dauert es Jahre, bis Rohstoffe gefördert und aufbereitet werden. Japan hat sich dieser Herausforderung früher gestellt und Vorräte aufgebaut, während viele deutsche Unternehmen lange auf eine dauerhaft verfügbare, günstige Rohstoffversorgung aus China vertraut hatten.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Mittelständler, die auf Seltene Erden angewiesen sind, sollten mehrere Handlungsfelder adressieren. Zuerst ist eine detaillierte Analyse der eigenen Lieferketten nötig: Welche Produkte enthalten chinesische Seltenerden? In welchen Mengen? Wie sind Weiterlieferungen organisiert? Diese Transparenz bildet die Grundlage für alle weiteren Schritte.

Parallel dazu müssen Compliance-Prozesse angepasst werden. Unternehmen benötigen datenbasierte Systeme zur Nachverfolgung von Rohstoffursprüngen und Wertschöpfung. Die bisherigen manuellen Prozesse reichen nicht mehr aus. Gleichzeitig sollten alternative Lieferquellen geprüft werden. Es gibt zwar keine schnellen Lösungen, doch langfristige Diversifizierung senkt das Risiko. Auch Lagerhaltungsstrategien sollten überdacht werden; Kosten der Lagerung müssen gegen Versorgungssicherheit abgewogen werden.

Einige Unternehmen prüfen zudem, ob Recycling von Seltenen Erden aus Altgeräten wirtschaftlich sinnvoll wird. Die neuen Regeln fördern solche Überlegungen, da Recycling-Technologien ebenfalls unter Kontrollen fallen können.

Der Weg nach vorne

Die Exporte aus China erfolgen faktisch nach einem Priorisierungssystem. Welche Unternehmen Genehmigungen erhalten, bleibt oft unklar, und die Verfahren dauern sich teilweise. Das schafft Unsicherheit. Dennoch gibt es für industrielle Entscheider im Mittelstand kein Entrinnen. Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Unternehmen, die heute ihre Lieferketten stabilisieren und diversifizieren, werden morgen widerstandsfähiger sein.

Quellen

https://klardenker.kpmg.de/seltene-erden-so-sollten-sie-auf-chinas-neue-exportregeln-reagieren/ https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/seltene-erden-knapp-bundesanstalt-100.html https://www.gtai.de/de/trade/china/specials/china-fuehrt-exportauflagen-fuer-kritische-metalle-ein-1865700 https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DERA/DE/Downloads/m-seltene-erden.pdf?__blob=publicationFile&v=2 https://www.vbw-bayern.de/vbw/Themen-und-Services/Au%C3%9Fenwirtschaft/Auslandsm%C3%A4rkte-Export/Chinesische-Exportkontrollen-f%C3%BCr-Seltene-Erden.jsp https://www.technik-einkauf.de/rohstoffe/kritische-rohstoffe/engpass-an-seltenen-erden-trifft-industrie-556.html https://www.gvw.com/aktuelles/blog/detail/china-weitet-exportkontrollen-aus-ein-briefing-fuer-europaeische-unternehmen-zu-den-massnahmen-vom-oktober-2025 https://bdi.eu/artikel/news/china-verschaerft-die-exportregeln-fuer-seltene-erden-dramatisch https://www.produktion.de/schwerpunkte/ruestungsindustrie/rohstoffmangel-bedroht-deutsche-ruestungsindustrie-178.html

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