zum Inhalt

Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe steigt moderat

Photo by Crystal Kwok / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Der preisbereinigte Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Oktober 2025 gegenüber dem Vormonat um 1,5 Prozent. Experten hatten lediglich mit 0,3 Prozent gerechnet. Ein Großauftrag im Bereich Sonstiger Fahrzeugbau stützte das Plus. Die Bestellungen in diesem Segment wuchsen um mehr als 80 Prozent. Andere Bereiche, wie die Herstellung elektrischer Ausrüstungen, verzeichneten ein Minus von 16,2 Prozent. Ohne Großaufträge läge das Wachstum bei 0,5 Prozent.

Rüstungsbranche als Schlüsseltreiber

Die deutliche Zunahme im Fahrzeugbau steht in engem Zusammenhang mit der dynamischen Entwicklung der Rüstungsindustrie. Seit dem Krieg in der Ukraine hat Deutschland seine Verteidigungsausgaben deutlich erhöht, um sowohl die Bundeswehr als auch internationale Partner wie die Ukraine zu unterstützen. Aktuelle Großaufträge zeigen die Trendwende: Die Lieferung von Artilleriemunition an Rheinmetall im Wert von 8,5 Milliarden Euro und der Chinook-Hubschrauber-Deal mit Boeing im Umfang von sieben Milliarden Euro spiegeln diese Entwicklung wider. Auch die Nachfrage nach Systemen wie der IRIS-T-Luftabwehr von Diehl Defence ist international gestiegen. Diese Entwicklungen füllen Auftragsbücher der großen Konzerne und ermöglichen mittelständischen Zulieferern, Kapazitäten auszubauen und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Unterschiedliche Dynamik bei Inlands- und Auslandsaufträgen

Im Oktober legten Inlandsaufträge um 9,9 Prozent zu, während Bestellungen aus dem Ausland um 4,0 Prozent zurückgingen. Nicht-Euro-Länder verzeichneten ein Minus von 6,5 Prozent, während die Eurozone stabil blieb. Die Entwicklung zeigt, dass die Industrie derzeit vor allem von staatlichen Aufträgen im Inland profitiert. Für den Mittelstand bedeutet dies eine wachsende Abhängigkeit von politischen Entscheidungen, die Rüstungsproduktion auszubauen. Gleichzeitig bergen volatile Auslandsmärkte Risiken, da geopolitische Spannungen und Handelshemmnisse Exportchancen vieler Unternehmen beeinträchtigen.

Auswirkungen auf Produktion und Lieferketten

Für mittelständische Unternehmen, die als Zulieferer in der Rüstungsbranche tätig sind, ergeben sich Chancen und Herausforderungen. Große Konzerne wie Rheinmetall bauen ihre Produktionskapazitäten massiv aus, etwa durch neue Munitionsfabriken oder die Fertigung von Bauteilen für den Kampfjet F-35. Das schafft Bedarf an hochspezialisierten Komponenten, die viele mittelständische Betriebe liefern können. Gleichzeitig erhöhen sich die Anforderungen an Qualität und Liefertermine, was die Produktionsprozesse unter Druck setzt. Unternehmen sollten vermeiden, zu stark von einzelnen Großkunden abhängig zu werden, da ein Rückgang der Aufträge zu Engpässen führen könnte.

Langfristige Perspektiven im Fokus

Trotz des positiven Resultats für Oktober bleibt die Gesamtsituation gemischt. Im Dreimonatsvergleich liegt der Auftragseingang weiterhin leicht unter dem Niveau der Vormonate, und der reale Umsatz entwickelt sich im Jahresvergleich negativ. Die Rüstungsindustrie rechnet mit langfristigem Aufschwung: Rheinmetall plant bis 2030 einen Umsatz von 50 Milliarden Euro. Der Branchenumsatz der führenden deutschen Anbieter stieg 2025 um 36 Prozent auf 14,9 Milliarden Euro. Für den Mittelstand bedeutet dies, strategische Entscheidungen zu treffen. An den aktuellen Aufträgen lässt sich profitieren, doch sollten Unternehmen Diversifikationsstrategien entwickeln, um künftige Schwankungen abzufedern.

Gewinnen Sie neue Kunden über das Maschinen Journal
MJ Image

Das Maschinen Journal erreicht jeden Monat tausende Entscheider aus dem industriellen Mittelstand. Nutzen Sie unsere Reichweite, um Ihre Produkte genau dort zu platzieren, wo Kaufentscheidungen entstehen.

Sie wollen mehr Anfragen erzielen?

→ Jetzt Artikel anfragen

Aktuelles

Arbeitsministerin Bas drängt auf klare Regeln für KI am Arbeitsplatz

Arbeitsministerin Bas drängt auf klare Regeln für KI am Arbeitsplatz

Auf der Netzkonferenz re:publica machte Arbeitsministerin Bärbel Bas deutlich, dass KI nicht unkontrolliert in Unternehmen Einzug halten soll. Es braucht klare Regeln statt Wildwuchs. Demokratisch legitimierte Vorgaben sollen Beschäftigte schützen und Innovation ermöglichen. Aufbruch mit Ansage: KI ja, Wildwuchs nein Bas sieht KI als fundamentalen Wandel der Arbeitswelt. Sie

EU-Parlament beschließt neue Schutzmaßnahmen für die Stahlbranche

EU-Parlament beschließt neue Schutzmaßnahmen für die Stahlbranche

Heute stimmt das Europäische Parlament über eine aktualisierte Durchsetzungsverordnung ab, die ab Juli 2026 alternative Schutzmaßnahmen für die Stahlindustrie vorsieht. Die Regelungen ersetzen die bisherigen WTO-basierten Importbeschränkungen, die am 30. Juni auslaufen. Hintergrund ist die globale Überproduktion, die europäische Stahlhersteller unter Druck setzt. Mit mengenmäßigen Einfuhrkontingenten und höheren Schutzzöllen soll

Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz-Änderung: Wochenmodell statt Acht-Stunden-Tag

Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz-Änderung: Wochenmodell statt Acht-Stunden-Tag

Die Regierung will das Arbeitszeitgesetz reformieren. Ziel ist ein Wochenmodell statt einer festen Acht-Stunden-Tagesgrenze. Was geplant ist Die Regierung bereitet eine Reform vor, die die bisher zentrale Definition der Arbeitszeit verändert. Statt der täglichen Höchstdauer von acht Stunden soll künftig eine wöchentliche Obergrenze gelten. Der Vorschlag steht im Koalitionsvertrag und

Vier Jahre Kriegsfolgen treffen Produktion und Jobs

Vier Jahre Kriegsfolgen treffen Produktion und Jobs

Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 erlebt die deutsche Industrie einen tiefgreifenden Strukturwandel. Besonders energieintensive Branchen treffen hart. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes brach die Produktion in Chemie, Metallerzeugung, Glas und Papier um 15,2 Prozent ein. Das lag deutlich über dem Branchendurchschnitt. In