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Die EU-Kommission hat dem chinesischen Onlinehändler AliExpress eine Geldbuße von 550 Millionen Euro auferlegt. Das ist die bislang höchste Strafe im Rahmen des Gesetzes über digitale Dienste. Für deutsche Mittelständler bedeutet dies eine klare Botschaft: Der Onlinehandel mit günstigen Importwaren wird stärker reguliert. Die Verantwortung für Produktsicherheit wird deutlich zugeordnet.
Die Vorwürfe der Kommission
Die EU-Kommission wirft AliExpress vor, Verbraucher in Europa nicht ausreichend vor illegalen, unsicheren oder gefälschten Produkten zu schützen. Dazu gehören nachgemachte Markenkleidung, riskante Kosmetik und Spielzeug, das Sicherheitsnormen verletzt. Brüssel berichtet, dass viele Produkte trotz Warnhinweisen wochenlang online blieben. In Spitzenzeiten soll es rund sieben Millionen solcher Angebote gegeben haben. Zudem habe AliExpress zu wenig Personal für die Prüfung der Waren eingesetzt. Wiederholt illegale Produkte wurden nicht konsequent gesperrt oder sanktioniert.
Weiter heißt es, das Unternehmen unterschätze systemische Risiken der Plattform. Es fehle an wirksamen Mechanismen zur Erkennung und Entfernung problematischer Artikel. Teilweise würden gefährliche oder gefälschte Waren weiter empfohlen oder beworben, bevor sie verschwänden. Aus Sicht der EU verstoße dies gegen die Pflichten großer Online-Plattformen, Risiken illegaler Inhalte und unsicherer Waren zu bewerten und zu begrenzen.
Der Digital Services Act wird zur Praxis
Der Fall AliExpress markiert die bislang höchste Geldbuße, die unter dem Digital Services Act verhängt wurde. Der DSA verpflichtet sehr große Plattformen dazu, systemische Risiken für Verbraucher zu analysieren, Kontrollmechanismen einzurichten und transparent zu berichten. Verstoß gegen den DSA kann Bußgelder bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes auslösen. Im Fall der Alibaba-Gruppe wäre damit ein Vielfaches der aktuellen Strafe möglich gewesen.
AliExpress muss bis zum 20. Oktober 2026 einen Aktionsplan vorlegen. Der Plan soll konkrete Maßnahmen zur Eindämmung illegaler Produkte und zur Verbesserung der Kontrollen enthalten. Nach Prüfung des Plans innerhalb von zwei Monaten kann Brüssel weitere Schritte beschließen. Dazu gehören zusätzliche Bußgelder oder tägliche Strafzahlungen bei fortgesetzter Nichteinhaltung. Das Unternehmen bezeichnet die Strafe als unverhältnismäßig und prüft rechtliche Optionen.
Temu und X: AliExpress ist kein Einzelfall
Die Entscheidung gegen AliExpress reiht sich in eine Serie von Verfahren gegen große digitale Händler ein. Ende Mai verhängte die EU-Kommission eine Geldbuße von 200 Millionen Euro gegen Temu, den Onlinehändler aus China. Temu habe Risiken illegaler Produkte nicht ausreichend bewertet und unterschätzt, wie Empfehlungsmechanismen und Influencer-Werbung deren Verbreitung verstärken. Auch hier muss ein Maßnahmenplan vorgelegt werden; andernfalls drohen weitere Strafzahlungen.
Im Dezember war zudem die Plattform X von Elon Musk zu einer Strafe von 120 Millionen Euro verurteilt worden, weil sie Transparenzvorgaben nicht einhielt und kein ausreichendes Archiv für Werbeanzeigen bereitstellte. Zusammen zeigen diese Fälle, dass die EU den Digital Services Act ernst nimmt und ihn gegenüber marktstarken Anbietern durchsetzt. Für kleinere und mittlere Unternehmen bedeutet dies, dass digitale Regeln künftig konkrete Erwartungen und Sanktionen umfassen.
Rolle von AliExpress im deutschen Markt
Europa ist inzwischen der wichtigste Absatzmarkt für AliExpress. In Deutschland hat die Plattform ebenfalls an Bedeutung gewonnen. Gemeinsam mit Temu und Shein soll der Marktanteil hierzulande rund sechs Prozent im Onlinehandel betragen. Für mittelständische Händler und Hersteller bedeutet dies spürbaren Wettbewerbsdruck durch extrem niedrige Preise und eine breite Angebotspalette.
Gleichzeitig verschärft die EU die Zoll- und Einfuhrregeln für Kleinsendungen aus Nicht-EU-Ländern. Seit Juli 2026 fällt für viele Pakete unterhalb von 150 Euro eine pauschale Gebühr pro Warengruppe an. Weitere Abgaben sind angekündigt. Die Behörden richten ihr Augenmerk neben den Plattformen auch auf den Masseneinfuhrverkehr billiger Ware.
Ausblick
Die Rekordstrafe gegen AliExpress markiert einen Wendepunkt im Umgang der EU mit großen Onlinehändlern. Der Digital Services Act hat seinen festen Platz im Handel gefunden und wird künftige Rahmenbedingungen für digitale Geschäftsmodelle in Europa bestimmen. Für den deutschen Mittelstand bleibt die Botschaft klar: Wer digitale Kanäle nutzt, muss Produktsicherheit, Transparenz und regelkonformes Verhalten fest verankern.
Quellen
https://www.zeit.de/news/2026-07/20/eu-verhaengt-rekordstrafe-gegen-aliexpress-wegen-faelschungen
https://www.rte.ie/news/europe/2026/0720/1584177-aliexpress-eu/
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/eu-strafe-aliexpress-100.html
https://de.euronews.com/my-europe/2026/07/20/eu-550-millionen-euro-strafe-aliexpress
https://x.com/EU_Commission/status/2079149709684314336
https://www.youtube.com/watch?v=BzWZs2Fl4BA
https://taz.de/Plattform-mit-Fakes-und-Ramsch/!6197640/
https://www.zeit.de/news/2026-07/20/eu-verhaengt-550-millionen-euro-strafe-gegen-aliexpress
https://www.zdfheute.de/wirtschaft/unternehmen/aliexpress-eu-kommission-strafe-100.html
https://www.n-tv.de/wirtschaft/EU-Kommission-droht-AliExpress-hohe-Strafe-an-article25843610.html
https://www.dataguidance.com/news/eu-commission-fines-temu-eur200-million-dsa-risk
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/api/files/document/print/de/ip_24_5622/IP_24_5622_DE.pdf
https://www.reddit.com/r/europe/comments/1tpzhty/eu_commission_fines_temu_200_million_for/
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/eu-strafe-aliexpress-100.html
