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Die Rückkehr der Schuhproduktion in ein Hochlohnland
In den kommenden Jahren will der Laufschuhhersteller On deutlich mehr Schuhe in der Schweiz fertigen. Die Firma setzt dabei auf eine weitgehend automatisierte Produktion mit Robotern. Die Entscheidung ist mehr als eine PR-Aktion. Sie zeigt, dass sich hochautomatisierte Fertigung auch in einem teuren Arbeitsmarkt rechnen kann.
Wie Lightspray funktioniert
Lightspray ersetzt große Teile der bisherigen manuellen Oberstoffherstellung. Statt vieler Einzelschritte wie Schneiden, Nähen und Verkleben arbeiten Systeme mit einer Form. Ein Roboterarm trägt einen thermoplastischen Faden schichtweise auf und erzeugt so ein nahezu nahtloses Oberteil in wenigen Minuten. Dieses Oberteil lässt sich direkt mit der Sohle verbinden.
Der Prozess ist vollständig automatisierbar. Roboter übernehmen das Sprühen, die Qualitätssicherung und teilweise auch das Materialhandling. On erklärt, dass Lightspray die Anzahl der Bauteile und Prozessschritte deutlich reduziert. Der materialbedingte CO2-Fußabdruck der Schaftproduktion soll um einen zweistelligen Prozentsatz sinken. Zugleich sorgt das Verfahren für hohe Reproduzierbarkeit und ermöglicht kleinere Serien oder kundenspezifische Varianten, ohne eine eigene manuelle Linie aufbauen zu müssen.
Rolle des Standorts Zürich im globalen Produktionsnetz
Der Lightspray-Standort in Zürich war weltweit der erste seiner Art und dient On als Schaufenster automatisierter Fertigung im Heimatland. Hier testet das Unternehmen neue Prozesse, Materialien und Abläufe, bevor sie in größerem Maßstab eingesetzt werden. Die Nähe zu Entwicklungsteams, Hochschulen und Automatisierungspartnern erleichtert Anpassungen und schnelle Iterationen.
Wirtschaftliche Motive hinter der Rückverlagerung
Für einen Sportartikelhersteller macht mehr Produktion im Hochlohnland Schweiz nur Sinn, wenn der Automatisierungsgrad hoch ist. Lightspray reduziert den Anteil manueller Arbeit deutlich. Dadurch rücken Lohnkosten in den Hintergrund; Energiepreise, Verfügbarkeit von Fachkräften in der Robotik und kurze Transportwege gewinnen an Bedeutung.
On profitiert zudem vom Image der Schweizer Herkunft. Die Anpassung der Vorgaben zur Nutzung des Schweizer Kreuzes stärkt die Bedeutung der lokalen Wertschöpfung. Sichtbare Fertigung im Inland erhöht die Markenpräsenz. Hinzu kommt der Nachhaltigkeitsaspekt. Kürzere Transportwege, weniger Materialeinsatz und reduzierter Ausschuss passen zu den Zielen des Unternehmens, den Lebenszyklus der Produkte nachhaltiger zu gestalten.
Chancen und Grenzen für lokale Produktion im Hochlohnland
Für technische Entscheider im Mittelstand ist On ein praktischer Beleg dafür, dass sich Teile der Produktion wieder näher an den Absatzmarkt holen lassen, wenn Prozesse weitgehend automatisiert und digitalisiert sind. Lightspray bietet ein klares Fertigungsszenario: ein roboterfähiger Kernprozess, standardisierte Materialien und eine hohe Prozessintegration.
Die Kehrseite ist, dass dieses Modell vor allem dort funktioniert, wo Produkte und Prozesse ausreichend standardisiert sind. Ultraflexible Einzelanfertigung mit vielen Varianten bleibt aufwendig. Außerdem erfordert eine solche Umsetzung Investitionen in Robotik, Steuerungstechnik, Softwareintegration und Qualifizierung des Personals. On arbeitet eng mit Technologiepartnern aus dem Automatisierungsbereich zusammen, die Roboter und Steuerungen liefern. Für mittelständische Unternehmen bedeutet das, dass ähnliche Projekte oft nur in Kooperation mit spezialisierten Maschinenbauern und Integratoren realisierbar sind.
Lehren für technische Entscheider im deutschen Mittelstand
Aus der Lightspray-Strategie von On lassen sich mehrere Schlüsse ziehen. Erstens lohnt es sich, Produktionsschritte zu identifizieren, die sich konsequent für eine roboterbasierte Ein-Schritt-Fertigung eignen. Wo heute viele kleine Arbeitsschritte nötig sind, kann eine Neugestaltung des Produkts die Automatisierung deutlich erleichtern. On hat den Schaft so entwickelt, dass er sich sprühen lässt, statt bestehende Textilprozesse einfach zu automatisieren.
Zweitens zeigt der parallele Aufbau von Kapazitäten in der Schweiz und in Südkorea, wie sich Pilot- und Serienfertigung trennen lassen. Ein kleiner, hochautomatisierter Standort nahe Entwicklung und Markt kann Innovation und Premiumlinien abdecken. Größere Stückzahlen laufen in einer skalierten Fabrik mit ähnlicher Technologie. Ein ähnliches Modell ist auch für mittelständische Unternehmen denkbar, etwa mit einem hochflexiblen Werk in Deutschland und einer volumenstarken Schwesterfabrik im Ausland.
Drittens macht On deutlich, dass Nachhaltigkeitsziele, Markenpositionierung und Produktionsstrategie zusammengehören. Lokale Fertigung unterstützt das Versprechen der Schweizer Herkunft und reduziert Emissionen in der Lieferkette. Für den deutschen Mittelstand kann das ein Argument sein, Automatisierungsprojekte nicht nur aus Kostengesichtspunkten zu bewerten, sondern auch hinsichtlich Risiko, Resilienz und Markenwert.
Schlussgedanke
Wer prüft, wie sich bestimmte Produkte oder Komponenten wieder näher an Kunden und Entwicklungsteams holen lassen, sollte das Beispiel On im Blick behalten. Es zeigt, dass eine durchdachte Kombination aus Produktdesign, Robotertechnik und Standortstrategie neue Spielräume eröffnet – auch in einem Hochlohnumfeld.
Quellen
https://innovation.zuerich/en/?registration=on-develops-sports-shoe-with-new-lightspray-technology
https://footwearplusmagazine.com/unlaced/lightspray-on-running/
https://swisstextiles.ch/themen/on-bringt-schuhproduktion-nach-zuerich
https://www.on.com/de-ch/faq/lightspray-faqs
https://www.tagesanzeiger.ch/on-schuhe-schweizer-kreuz-ab-juli-2026-auch-in-der-schweiz-665932376096
