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Die Debatte um den Krankenstand in Deutschland wird hitziger. Gesundheitsministerin Nina Warken kündigte an, die Regelungen zur telefonischen Krankschreibung zu prüfen. Die Koalition will Missbrauch ausschließen. Warken sagte, man brauche praktikable Lösungen. Das gelte, um mit dem hohen Krankenstand umzugehen. Sie reagierte damit auf Forderungen von Kanzler Friedrich Merz, der die Krankenquoten in den letzten Tagen kritisiert hatte.
Auslöser und Reaktionen
Merz hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg erklärt, Beschäftigte in Deutschland hätten durchschnittlich 14,5 Krankentage pro Jahr. Das sei fast drei Wochen. In diesen Wochen könnten Mitarbeitende krankheitsbedingt nicht arbeiten. Der Kanzler sieht die telefonische Krankschreibung als einen Grund für dieses Niveau. Auch im öffentlichen Dienst stellten sich Fragen, ob der Krankenstand wirklich notwendig sei.
Warnung vor Missbrauch
Warken räumte ein, dass der Krankenstand im internationalen Vergleich hoch ist. Sie warnte davor, dass die niedrigschwellige Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung missbraucht werden könne. Gleichzeitig betonte sie, dass dies nicht gegen tatsächlich Erkrankte gerichtet sei.
Konkrete Zahlen und Ursachen
Die Zahlen sind bemerkenswert. 2025 waren Beschäftigte bei der DAK im Durchschnitt 19,5 Kalendertage krankgeschrieben. Das entspricht etwa einem Monat pro Jahr. Im Vorjahr hat sich dieser Wert kaum verändert. Die häufigsten Gründe waren Atemwegserkrankungen, psychische Leiden und Rückenschmerzen.
Vorschläge aus der Branche
DAK-Vorstandschef Andreas Storm begrüßte die Debatte und forderte einen Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt. Dort sollten Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzte und Krankenkassen zusammenkommen, um Ursachen und Lösungen zu erörtern. Storm schlug vor, dass eine Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen möglich sein könnte. So könnten Mitarbeitende ihre Arbeitszeit reduzieren statt vollständig krankgeschrieben zu sein.
Kritik und Gegenargumente
Nicht alle teilen Merz und Warken. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte die Debatte scharf. DGB-Chefin Yasmin Fahimi warf der Politik vor, kranke Menschen unter Generalverdacht zu stellen. Sie warnte, dass der Verdacht gegenüber der telefonischen Krankschreibung Misstrauen gegenüber Ärzten ausdrücke. Nach Fahimis Auffassung lasse der Anstieg sich eher dadurch erklären, dass die elektronische Krankschreibung jede Meldung erfasst.
Auswirkungen auf den Mittelstand
Für Unternehmen im Mittelstand ist die Entwicklung bedeutsam. Höhere Krankenstände beeinflussen Personalverfügbarkeit und Produktivität. Eine Verschärfung der Regelungen könnte bedeuten, dass mehr Mitarbeitende Praxen aufsuchen müssen. Das könnte zu längeren Genesungsphasen führen. Andererseits könnten strengere Regeln zu mehr Verlässlichkeit bei Krankmeldungen beitragen.
