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Die Europäische Kommission erhöht den Druck auf Meta. Sie fordert, dass WhatsApp auch für KI-Anbieter der Konkurrenz geöffnet wird. Andernfalls könnten einstweilige Zwangsmaßnahmen folgen. Hintergrund ist eine betriebliche Entscheidung, die Meta im Oktober 2025 traf und seit Mitte Januar 2026 umsetzt. Innerhalb von WhatsApp Business dürfen danach nur noch Metas eigener KI-Chatbot eingesetzt werden, Drittanbieter-KI-Dienste wie ChatGPT oder Gemini sind gesperrt.
Wie es zur Beschränkung kam
Meta verweist auf legitime Gründe. WhatsApp habe sich längst von einem reinen Messenger zu einer Geschäftsplattform entwickelt. Unternehmen nutzen den Dienst für Kundenbetreuung und Online-Verkauf. Meta verdient damit gut und hat ein Gebührenmodell aufgebaut. Gleichzeitig sah das Unternehmen ein Problem: KI-Anbieter nutzten die Plattform, ohne groß in Infrastruktur zu investieren. Sie integrierten ihre Chatbots einfach über die WhatsApp Business API und zogen Nutzer ab, ohne Meta angemessen zu beteiligen. Daher die klare Regel: Nur noch Meta AI darf auf der Plattform laufen.
Aus Brüsseler Sicht
Die EU-Kommission bewertet das als kartellrechtlichen Verstoß. Meta soll seine marktbeherrschende Stellung missbrauchen, indem der Zugang zu einer der wichtigsten Kommunikationsplattformen Europas verschlossen wird. Das schadet nicht nur Konkurrenten wie OpenAI oder Microsoft, die ihre Dienste von WhatsApp zurückziehen mussten. Es gefährdet auch den Wettbewerb in einem rasch wachsenden Markt. Kleinere KI-Anbieter könnten so vom Markteintritt abgehalten werden. Die Kommissarin für Wettbewerb, Teresa Ribera, betont: Marktbeherrschende Technologiekonzerne dürfen ihre Stellung nicht illegal ausnutzen, um sich Vorteile zu sichern.
Sofortige Folgen
Die praktischen Auswirkungen sind schon sichtbar. Große KI-Anbieter verlieren den Zugriff auf Millionen WhatsApp-Nutzer. OpenAI konnte beispielsweise nicht mehr auf mehr als 50 Millionen Nutzer zugreifen. Für mittelständische Unternehmen bedeutet das weniger Optionen bei der Kundenbetreuung über WhatsApp. Sie müssen nun entweder Metas System nutzen oder andere Kanäle verwenden.
Was jetzt passiert
Meta erhält die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Der Konzern bestreitet die Vorwürfe und verweist darauf, KI-Dienste seien auch über App-Stores, Betriebssysteme und Websites erreichbar. Die Kommission hält dagegen: Der unmittelbare Zugang innerhalb des primären Kommunikationskanals ist ein einzigartiges Verkaufsmedium, das nicht monopolisiert werden darf. Sollte Meta nicht einlenken, plant Brüssel einstweilige Maßnahmen. Diese könnten Konkurrenten den zwangsweisen Zugang zu WhatsApp gewähren. Im schlimmsten Fall drohen hohe Geldstrafen.
Für technische Entscheider relevant
Das Thema betrifft nicht nur große Tech-Konzerne. Mittelständische Unternehmen, die WhatsApp für die Kundenkommunikation nutzen, sollten die Entwicklung aufmerksam beobachten. Je nach Entscheidung der Kommission könnte sich das Angebot an KI-Lösungen innerhalb der Plattform ändern. Auch die neuen EU-Digitalgesetze spielen eine Rolle: Ab August 2026 wird der EU AI Act vollständig anwendbar. Dann müssen Unternehmen Trainingsdaten und Funktionsweise ihrer Modelle dokumentieren. Wer spezialisierte, kontrollierbare KI-Lösungen statt Allzweck-Chatbots einsetzt, könnte rechtlich sicherer unterwegs sein.
