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Der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch steckt in einer schweren Phase. Das operative Ergebnis brach 2025 um fast die Hälfte ein. Statt der erwarteten Gewinne schrieb das Unternehmen ein Betriebsergebnis von 1,7 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 3,1 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite ging auf 1,9 Prozent zurück. Der Gesamtumsatz lag mit knapp über 91 Milliarden Euro nur leicht über dem Vorjahreswert. Vorstandschef Stefan Hartung nannte 2025 ein schwieriges und teils schmerzhaftes Jahr.
Ein Großteil des Gewinnrückgangs resultierte aus den Kosten für den Stellenabbau. Für 2025 legte Bosch rund 2,7 Milliarden Euro als Rückstellungen beiseite. Dieses Geld dient Abfindungen und Sozialleistungen, die bei der kommenden Umstrukturierung nötig werden. Hinzu kommen operative Probleme. Die Weltwirtschaft schwächelt, die Autonachfrage stagniert, und steigende Zölle vor allem aus den USA belasten die Bilanz. In der Automobilbranche treffen diese Faktoren besonders hart zu.
Im September des letzten Jahres kündigte Bosch an, weitere rund 13.000 Stellen streichen zu wollen. Das geschah zusätzlich zu bestehenden Abbauprogrammen. Bis Ende 2030 würden insgesamt mehr als 20.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen, vor allem in der Mobilitätssparte, dem Geschäftsbereich Autozulieferung. Diese Zahl verdeutlicht das Ausmaß der Krise für einen Konzern, der lange als Stabilitätsanker der deutschen Industrie galt.
Besonders betroffene Standorte waren Homburg, Bühl, Bühlertal, Schwieberdingen und Waiblingen. Am Standort Homburg sollten bis 2030 rund 1.250 Stellen wegfallen. In Bühl und Bühlertal seien es zusammen etwa 1.550 Jobs. Schwieberdingen trifft es mit rund 1.750 Stellen. Waiblingen soll bis Ende 2028 vollständig geschlossen werden, was rund 560 Arbeitsplätze kostet. Die Waiblingen-Fabrik produziert Verbindungstechnik für die weltweite Automobilindustrie. Sie war seit Jahren unterausgelastet und gilt unter dem aktuellen Marktumfeld als nicht mehr wettbewerbsfähig.
Hinter den Entlassungsplänen stehen mehr als nur konjunkturelle Dellen. Bosch sieht sich mit strukturellen Problemen konfrontiert. Die Elektrifizierung des Verkehrs schreitet nur zögerlich voran, besonders in Europa. Der Wasserstoffmarkt, auf den Bosch gesetzt hatte, hinkt hinterher. Gleichzeitig wächst in Asien eine lokale Konkurrenz, die Autos dort preiswerter produziert. Deutschland als Produktionsstandort belastet hohe Lohnkosten und strenge Regulierung. Hartung nennt gestiegene Materialkosten als Hauptproblem und sieht die Regulierungspraxis in Deutschland als zusätzliches Hindernis.
Für 2026 bleibt Bosch vorsichtig. Der Konzern erwartet, dass der Wettbewerbs- und Preisdruck sich weiter verschärfen wird. Die angekündigten Stellenabbau-Maßnahmen sollen zwar greifen und die Ertragslage verbessern. Die Zielrendite von sieben Prozent für Zukunftsinvestitionen wird frühestens 2027 erreicht. Hartung schließt weitere Maßnahmen nicht aus, räumt aber ein, dass diese nicht in der gleichen Größenordnung ausfallen werden wie die aktuellen.
Für mittelständische Zulieferer kann die Entwicklung bei Bosch warnend wirken. Viele kleine und mittlere Unternehmen hängen wirtschaftlich von Großkonzernen wie Bosch ab. Ist ein solcher Großer unter Druck, spüren es auch die Lieferanten. Die Kostenreduktion bei Bosch dürfte die Preise für Zulieferer drücken. Wer sich nicht schnell anpasst und nicht in neue Technologien investiert, verliert Boden. Deutsche Betriebe kämpfen nicht nur mit fallender Nachfrage, sondern auch mit globalen Konkurrenten, die in Ländern mit niedrigeren Kosten fertigen.
