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Nach acht Jahren intensiver Verhandlungen hat die Europäische Union ein umfassendes Handelsabkommen mit Australien erzielt. Die Unterzeichnung fand Ende März in Canberra statt. Das Abkommen senkt Handelshemmnisse auf beiden Seiten. Es soll den Maschinenbau, die Chemiebranche und die Autoindustrie stärken. Für technische Entscheider im Mittelstand bedeutet es neue Geschäftschancen und veränderte Wettbewerbsbedingungen.
Zollabbau eröffnet neue Exportmöglichkeiten
Das Abkommen reduziert mehr als 99 Prozent der australischen Zölle auf EU-Waren. Das mag abstrakt wirken, doch es wirkt sich deutlich aus. Deutsche Unternehmen sparen europaweit rund eine Milliarde Euro jährlich an Zollgebühren. Für Maschinenbauer, Chemiebetriebe und Hersteller elektrischer Komponenten fallen Exportkosten nach Australien deutlich geringer aus. Die EU-Kommission rechnet mit einem Exportwachstum nach Australien von rund ein Drittel im nächsten Jahrzehnt. Es könnte bis zu 17,7 Milliarden Euro pro Jahr erreichen. Besonders stark wachsen dürften Milchprodukte, Kraftfahrzeuge und Chemikalien. Mittelständische Zulieferer aus Deutschland gewinnen an Wettbewerbsfähigkeit, da sie bisher mit Zolltarifen kalkulierten.
Rohstoffe bilden das Kernstück des Abkommens
Für viele mittelständische Betriebe ist der Rohstoffzugang der zentrale Faktor. Australien ist der größte Lithiumlieferant der Welt und besitzt bedeutende Vorkommen seltener Erden, Kobalt und anderer kritischer Mineralien. Durch das Abkommen entfallen Zölle auch auf diese Rohstoffe und verarbeitete Produkte. Das ist wichtig für Batteriefertigung, Elektromobilität und erneuerbare Energien. Europa war bisher stark von chinesischen Lieferanten abhängig. Das Freihandelsabkommen reduziert diese Abhängigkeit und stärkt europäische Lieferketten gegen geopolitische Schocks. Für den Mittelstand bedeutet das Planungssicherheit bei der Beschaffung und geringere Anfälligkeit gegenüber Handelsbeschränkungen aus China.
Die deutsche Autoindustrie zieht deutlich Vorteile
Die deutsche Autoindustrie begrüßt das Abkommen ausdrücklich. Australien erkennt europäische Fahrzeugstandards an und überarbeitet die Luxussteuer für Elektrofahrzeuge. Die Steuer gilt künftig erst ab einem höheren Preis. Dadurch bleiben rund drei Viertel der europäischen Elektroautos unberührt. Erwartet wird ein deutliches Exportwachstum. Der Verband der Automobilindustrie spricht von erheblichen Chancen für europäische Hersteller. Zuletzt exportierte Deutschland jährlich mehr als 44.000 Autos nach Australien. Mit geringeren Kosten und einfachem Marktzugang dürfte diese Zahl steigen.
Forschung und Fachkräfteaustausch
Neben dem Warenhandel erleichtert das Abkommen auch die Mobilität von Fachkräften. EU-Ingenieure und Forschende erhalten leichteren Zugang zum australischen Markt. Das eröffnet innovative Partnerschaften und Wissenstransfer für mittelständische Unternehmen. Zudem verhandeln EU und Australien über eine Assoziierung Australiens mit Horizon Europe, dem größten Forschungs- und Innovationsprogramm der Welt. Das könnte mittelständischen Unternehmen weitere Kooperationsmöglichkeiten ermöglichen.
Was nun gilt
Das Abkommen ist politisch beschlossen, muss aber noch rechtlich geprüft und in alle 24 EU-Sprachen übersetzt werden. Die Ratifikation durch das Europäische Parlament und das australische Parlament wird mehrere Monate dauern. Praktisch bedeutet dies: Mittelständler sollten sich schon jetzt auf den australischen Markt vorbereiten. Kontakte knüpfen und Marktanalysen durchführen lohnt sich. Wer heute beginnt, profitiert später schneller von den Zollreduktionen.
