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Viele Beschäftigte in Deutschland erwägen einen Job im Ausland. Die Gründe sind klar: höheres Einkommen, bessere Lebensqualität und weniger Abgaben. Die Tendenz betrifft auch eine junge Generation. Experten warnen, der Fachkräftemangel könnte dadurch in den kommenden Jahren stärker zunehmen.
Die neue Lust auf den Job im Ausland
Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Appinio im Auftrag der Jobplattform Indeed befragte 1000 Beschäftigte. Zwei Drittel der Befragten können sich vorstellen, außerhalb Deutschlands zu arbeiten. Rund ein Drittel hat bereits Informationen eingeholt oder sich aktiv beworben. Am beliebtesten sind die USA, Großbritannien und die Schweiz. Das Interesse an den USA ist zuletzt etwas zurückgegangen. Die Mehrheit möchte nicht dauerhaft auswandern, sondern nur für einige Monate oder Jahre im Ausland arbeiten. Bei Gutverdienern ist die Bereitschaft besonders hoch. Unter Haushaltsnettoeinkommen über 6000 Euro hat etwa die Hälfte Bewerbungen ins Ausland verschickt oder den dortigen Stellenmarkt sondiert.
Geld, Lebensqualität und Steuern als zentrale Motive
Die Motive der Befragten sind eindeutig. Mehr als die Hälfte nennt bessere Bezahlung und höhere Lebensqualität. Über 40 Prozent hoffen auf eine geringere Steuer- und Abgabenlast im Ausland. Karriereaufstieg spielt dagegen eine untergeordnete Rolle. Nur etwa ein Viertel sieht bessere Aufstiegschancen als Hauptgrund. Ökonomin Virginia Sondergeld von Indeed ordnet die Ergebnisse als Zeichen einer verbreiteten Unzufriedenheit mit Standort und Arbeitsbedingungen in Deutschland ein. Internationale Mobilität sei grundsätzlich positiv, doch Politik und Arbeitgeber müssten gute Gründe geben, in Deutschland zu bleiben. Für Unternehmen bedeutet das: Wer gute Mitarbeitende halten will, muss mehr bieten als ein solides Gehalt und eine sichere Stelle.
Die junge Generation stellt Grundsatzfragen
In der Trendstudie Jugend in Deutschland 2026 zeigt sich: 41 Prozent der 14- bis 29-Jährigen könnten sich vorstellen, dauerhaft in ein anderes Land zu gehen. Etwa ein Fünftel arbeitet bereits konkret an diesem Plan. Als Gründe nennen die jungen Menschen unsichere berufliche Perspektiven, den angespannten Wohnungsmarkt und das Gefühl, von der Politik nicht gehört zu werden. Die Studie berichtet zudem von psychischen Belastungen und einer wachsenden Zukunftssorge. Mitautorin Nina Kolleck warnt, Deutschland könne wichtige Potenziale verlieren, wenn die Anliegen der Jungen nicht ernst genommen werden – vor dem Hintergrund des bestehenden Fachkräftemangels.
Was auf mittelständische Arbeitgeber zukommt
Für den deutschen Mittelstand bedeutet die hohe Auslandsorientierung eine doppelte Belastung. Zum einen droht der Verlust erfahrener Leistungsträger, die ins Ausland gehen. Zum anderen fällt es oft schwer, Nachwuchs in den Betrieben zu integrieren. Gleichzeitig bietet die Situation auch Chancen. Viele Befragte benennen Alltagsfaktoren wie Einkommen, Lebensqualität, Steuerlast und Wohnsituation. Diese Punkte können Unternehmen beeinflussen.
Handlungsoptionen für den Mittelstand
Kleine und mittlere Unternehmen haben nicht die Möglichkeiten der Großkonzerne. Sie können aber mit klaren Angeboten punkten. Dazu gehören transparente Vergütungsmodelle und eine offene Kommunikation darüber, wie Gehälter entstehen. Schon kleine Verbesserungen bei Arbeitszeit, Urlaub und der Möglichkeit zum mobilen Arbeiten erhöhen die Lebensqualität. Eine wertschätzende Unternehmenskultur ist wichtig. Viele junge Menschen fühlen sich von der Politik nicht gehört. Unternehmen können gegensteuern, indem sie Mitarbeitende stärker einbinden, regelmäßiges Feedback ermöglichen, Entscheidungen im eigenen Arbeitsbereich teilen und klare Entwicklungsperspektiven anbieten. Verlässliche Perspektiven sind entscheidend. Wer Auszubildende und Berufseinsteiger früh zeigt, welche Schritte möglich sind, erhöht die Bindung. Angebote zur Unterstützung bei psychischen Belastungen, etwa Beratung oder Führungskräftetrainings, helfen ebenfalls.
Fazit: Rahmenbedingungen aktiv gestalten
Die Umfragen zeichnen ein klares Bild. Viele Beschäftigte, besonders junge Menschen, sehen Deutschland nicht mehr automatisch als Ort der Zukunft. Die Gründe betreffen Bereiche, in denen der Mittelstand handeln kann. Wer im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen will, muss seine Arbeitsbedingungen kritisch prüfen. Bessere Bezahlung, mehr Mitsprache, planbare Entwicklungsschritte und echte Hilfen im Alltag sind wichtig. So wird Auslandserfahrung kein dauerhafter Fachkräftemangel mehr verursachen.
Quellen
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/job-ausland-umfrage-100.html
https://www.tessin-zentrum.de/a/jugend-in-deutschland-will-auswandern
https://www.auslandsjob.de/blog/neue-umfrage-gestartet-auslandsjob-trends-2026/
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/jugend-studie-2026-deutschland-100.html
https://www.auslandsjob.de/ueber-uns/studien/umfrage-deutsche-im-ausland-arbeiten-motive/
https://www.youtube.com/watch?v=kfuG4MTS3s8
https://www.zeit.de/news/2026-03/27/umfrage-beschaeftigte-taeuschen-engagement-vor
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/job-ausland-umfrage-100.html
