zum Inhalt
Photo by Joshua Woroniecki / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins zum dritten Mal in Folge gesenkt. Das Zielband für die Fed Funds Rate liegt jetzt bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Entscheidung erfolgte trotz deutlichen Dissenses im geldpolitischen Ausschuss. Eine Stimme forderte eine deutlich stärkere Absenkung um 50 Basispunkte, zwei Mitglieder plädierten für unveränderte Zinsen. Die Begründung: Zeichen einer Abschwächung am Arbeitsmarkt. Gleichzeitig bleibt die Kerninflation mit 2,8 Prozent im September höher als das Ziel von zwei Prozent.

Arbeitsmarkt vs Inflation: Ein schwieriger Balanceakt

Die Fed muss zwischen der Stabilisierung des Arbeitsmarktes und der Inflationsbekämpfung vermitteln. Die Arbeitslosenquote stieg zuletzt auf 4,4 Prozent, während Branchen wie Technologie und Dienstleistungen Personal abbauten. Die verfügbaren Daten zeigen jedoch keine klare Entspannung der Preisentwicklung. Der Core-PCE-Index liegt seit Monaten in einer Seitwärtsbewegung. Experten sehen dennoch eine Entscheidung zugunsten der Konjunktur, um Risiken frühzeitig zu dämpfen. Gleichzeitig signalisieren aktualisierte Projektionen, dass weitere Zinsschritte vorerst ausgesetzt bleiben könnten.

Prognosen deuten auf vorsichtige Fortsetzung der Lockerung hin

Für 2026 geht die Fed von einer weiteren Zinssenkung um 25 Basispunkte aus. Die Wachstumserwartungen wurden nach oben korrigiert: Das Bruttoinlandsprodukt soll 2026 um voraussichtlich 2,3 Prozent steigen, statt 1,8 Prozent. Die Inflationsprognose liegt bei 2,4 Prozent, was auf einen langsamen Rückgang Richtung Zielwert hindeutet. Ökonomen wie Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg sehen darin eine klare Richtungsentscheidung: Weitere Zinsschritte sind erst nach dem Wechsel des Fed-Vorsitzenden Mitte 2026 wahrscheinlich, da die Zentralbank zunächst weitere Konjunkturdaten abwarten wolle.

Politische Einflüsse und ihre Grenzen

Powell gerät seit Monaten unter Druck aus der Regierung. Präsident Trump forderte erneut stärkere Zinssenkungen, um den Immobilienmarkt zu stützen. Die Entscheidung für moderatere Schritte zeigt jedoch, dass die Unabhängigkeit der Notenbank gewahrt bleibt. Mit dem geplanten Amtszeitende Powells im Mai 2026 und der möglichen Nominierung eines neuen Vorsitzenden könnte sich die Geldpolitik mittelfristig ändern. Branchenanalysten warnen vor zu lockeren Maßnahmen: Eine zu schnelle Straffung oder Lockerung könnte langfristige Zinsen erhöhen und den Immobilienmarkt belasten.

Bedeutung für den deutschen Mittelstand

Für Unternehmen des deutschen Mittelstands ergeben sich konkrete Handlungsempfehlungen aus der US-Geldpolitik. Ein niedrigerer Leitzins in den USA kann zu einem schwächeren US-Dollar führen und Importe aus den Vereinigten Staaten günstiger machen. Gleichzeitig könnte eine Aufwertung des Euro die Exporte in die USA erschweren. Zudem sollten Entscheider die langfristigen Risiken einer zu lockeren Geldpolitik im Blick behalten: Eine hohe Verschuldung in den USA könnte mittelfristig globale Instabilitäten auslösen. Angesichts einer erwarteten Zinspause im ersten Halbjahr 2026 empfiehlt sich eine Absicherung kurz- bis mittelfristiger Wechselkursrisiken und eine Anpassung von Investitionsplänen an die moderate Zinsentwicklung.

Gewinnen Sie neue Kunden über das Maschinen Journal
MJ Image

Das Maschinen Journal erreicht jeden Monat tausende Entscheider aus dem industriellen Mittelstand. Nutzen Sie unsere Reichweite, um Ihre Produkte genau dort zu platzieren, wo Kaufentscheidungen entstehen.

Sie wollen mehr Anfragen erzielen?

→ Jetzt Artikel anfragen

Aktuelles

Tagesthemen vom 05.02.2026

Starker Euro setzt EZB unter Zugzwang Die Europäische Zentralbank belässt den Einlagensatz zwar bei zwei Prozent, gerät aber wegen der Währungsentwicklung zunehmend unter Druck. Der Dollar verliert an Bedeutung, große Investoren und Staaten wie China fahren ihre Dollar-Bestände zurück. Zugleich hat sich der Euro spürbar aufgewertet. Das dämpft zwar die

Kartellamt setzt neue Maßstäbe

Kartellamt setzt neue Maßstäbe

Am 5. Februar 2026 hat das Bundeskartellamt Amazon eine schwere Niederlage zugefügt. Die Behörde verbot dem Onlinehändler, Preisobergrenzen für unabhängige Händler auf dem Amazon Marketplace festzulegen. Zusätzlich verhängte sie eine Strafe von 59 Millionen Euro. Für viele Mittelständler im Onlinehandel ist dies ein wichtiger Sieg im Wettbewerb gegen den Marktplatzbetreiber.

Starker Euro drückt auf EZB-Politik: Zinssenkung rückt in den Fokus

Starker Euro drückt auf EZB-Politik: Zinssenkung rückt in den Fokus

Die Europäische Zentralbank hält ihre Leitzinsen vorerst stabil. Bei ihrer Sitzung am Donnerstag beschloss das EZB-Direktorium, den Einlagensatz unverändert bei zwei Prozent zu belassen. Das entsprach den Erwartungen der Finanzmärkte. Doch hinter dieser Entscheidung zeichnen sich neue Spannungen ab, die die Geldpolitik in absehbarer Zeit verändern könnten. Warum der Dollar

Tagesthemen vom 04.02.2026

Inflation im Euroraum unter EZB-Ziel – aber mit deutlichen Unterschieden Die Inflation in der Eurozone ist im Januar 2026 auf 1,7 Prozent gefallen und liegt damit erstmals seit Herbst 2024 unter dem Zielwert der EZB. Treiber sind vor allem sinkende Energiepreise, die im Jahresvergleich um 4,1 Prozent zurückgingen. Lebensmittel