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Oracle-Zahlen enttäuschen: Hohe KI-Investitionen wecken Börsensorgen

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Oracle hat die Märkte mit seinen Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 verunsichert. Die Ergebnisse wurden am 10. Dezember vorgelegt. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,70 Dollar und übertraf damit die Erwartung von 1,64 Dollar. Der Umsatz betrug 16,06 Milliarden Dollar, knapp unter der Prognose von 16,19 Milliarden Dollar. Die Marktstimmung wurde vor allem durch das verlangsamte Cloud-Wachstum getrübt, das für die Zukunft des Unternehmens zentral ist.

Schwaches Cloud-Wachstum bei hohen Erwartungen

Das Cloud-Geschäft, speziell die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz, gilt als Wachstumstreiber. Das Umsatzwachstum im Jahresvergleich schrumpfte auf 50 Prozent statt 55 im Vorquartal. Analysten hatten mit rund 71 Prozent gerechnet. Die Diskrepanz erhöht die Sorge, dass die Nachfrage nach KI-Diensten langsamer zunimmt als erwartet. Besonders kritisch ist, dass Oracle massiv in Rechenzentren für KI investiert, während die Erlöse aus diesem Bereich noch nicht die Kosten decken. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen (RPO) stiegen um 41 Prozent auf 138 Milliarden Dollar. Das gilt als Indikator für künftige Umsätze. Die Geschwindigkeit, mit der diese Verträge umgesetzt werden, bleibt ungewiss.

Schuldenlast und Investitionen unter der Lupe

Oracles aggressiver Ausbau der KI-Infrastruktur schlägt sich stark in der Bilanz nieder. Die Kapitalausgaben für das Quartal beliefen sich auf 12 Milliarden Dollar und lagen deutlich über der Erwartung von 8,25 Milliarden Dollar. Die Schulden belaufen sich auf rund 100 Milliarden Dollar. Zusätzlich plant das Unternehmen, weitere Rechenzentren mit Krediten in Höhe von bis zu 38 Milliarden Dollar zu finanzieren. Der freie Cashflow fiel deutlich ins Minus, was Experten verunsichert. Ein Branchenanalyst sagte: "Oracle muss nun beweisen, dass das geplante Wachstum die hohen Investitionen rechtfertigt." Das Unternehmen bleibt optimistisch und erwartet für 2025 ein Umsatzplus der Cloud-Sparte von 77 Prozent auf 18 Milliarden Dollar, mit weiter steigenden Zuwächsen bis 2030.

Tech-Sektor reagiert mit Kursverlusten

Die Skepsis der Anleger breitete sich schnell auf andere Technologiewerte aus. Die Oracle-Aktie verlor nachbörslich mehr als zehn Prozent. SAP fiel bis zu 4,3 Prozent. Chip-Hersteller wie Nvidia und AMD gaben jeweils rund zwei Prozent nach. Der europäische Tech-Index notierte leichter. Die Reaktion zeigt, wie stark die Erwartungen an das KI-Geschäft die Bewertungen der Branche beeinflussen. Besonders betroffen sind Betreiber von Rechenzentren wie CoreWeave; deren Papiere fielen um bis zu 3,3 Prozent.

Langfristige Chancen versus kurzfristige Risiken

Branchenkenner weisen trotz der Unsicherheit auf Oracles strategische Stärken hin. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Aktie um mehr als 400 Prozent. Oracle gehört zu den wenigen Anbietern, die mit Amazon Web Services und Microsoft Azure im Cloud-Markt konkurrieren können. Die geplante Skalierung der KI-Infrastruktur könnte langfristig hohe Gewinne bringen, vorausgesetzt, die Nachfrage bleibt stabil. Kurzfristig bleibt unklar, ob Oracle Wachstumsinvestitionen und Profitabilität in Einklang bringen kann. Für mittelständische Unternehmen, die Cloud-Lösungen prüfen, zeigen die Entwicklungen die Bedeutung realistischer Kosten-Nutzen-Analysen bei KI-Projekten.

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