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Offshore-Windausbau in Deutschland: Branche setzt auf Reformen für Zielerreichung

Photo by Nicholas Doherty / Unsplash

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Stand Mitte 2025 waren in deutschen Gewässern 1.639 Offshore-Windanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 9,2 GW ans Netz angeschlossen. Sie decken knapp sechs Prozent des deutschen Strombedarfs. Die gesetzlichen Ziele sehen vor, bis 2030 mindestens 30 GW zu installieren. Dieses Tempo wird jedoch nicht eingehalten. Nach Planungen des BSH dürfte das 30-GW-Ziel erst 2032 erreicht sein, sofern alle Flächen rechtzeitig realisiert werden. Bis 2035 sollen sogar 50 GW installiert sein, um die Offshore-Vereinbarung aus dem Jahr 2022 zu erfüllen.

Die Branche sieht sich mit erheblichen Hürden konfrontiert. Im ersten Halbjahr 2025 gingen keine neuen Offshore-Anlagen in Betrieb. Die letzte Anlage war im September 2024 ans Netz gegangen. Eine weitere Warnung war die gescheiterte Ausschreibung im August 2025 für zwei Nordseeflächen mit insgesamt 2.500 Megawatt. Dort gab es keine einzige Bieterzusage. Gründe sind wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Material- und Logistikkosten sowie komplexe Genehmigungsverfahren. Zudem verzögern fehlende Netzanbindungen Projekte wie den Offshore-Windpark Riffgrund 3. Obwohl er installiert ist, kann er erst Anfang 2026 Strom liefern.

Um den Ausbaukurs zu stabilisieren, legten Branchenverbände wie der BDEW im Sommer 2025 Reformvorschläge vor. Sie fordern vereinfachte Ausschreibungsmodalitäten, eine bessere Abstimmung von Netzausbau und Windparkplanung sowie Anreize für langfristige Investitionssicherheit. Im November 2025 veröffentlichten Unternehmen eine gemeinsame Erklärung, die politische Handlungsspielräume aufzeigt. Kernforderung ist, die nächste große Ausschreibungsrunde nicht wie geplant 2025, sondern erst im vierten Quartal 2026 durchzuführen. So soll der Rechtsrahmen überarbeitet und weitere Fehlschläge vermieden werden.

Im Gegensatz zum Offshore-Sektor zeigt der Onshore-Windausbau, dass beschleunigte Genehmigungsverfahren wirken. Im ersten Halbjahr 2025 verdoppelte sich die neu installierte Leistung an Land auf 2.157 MW. Diese Erfolge zeigen, dass strukturelle Anpassungen auch im Offshore-Bereich möglich sind. Experten sehen zudem Potenzial beim Repowering – ältere Anlagen werden durch leistungsfähigere Modelle ersetzt. Dadurch lässt sich pro Anlage mehr Megawatt erzeugen und der Flächenbedarf sinkt.

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