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Deutsche Verzögerungen bei der Betuwe-Route bremsen den europäischen Güterverkehr

Photo by Michał Turkiewicz / Unsplash

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Die Betuwe-Route bleibt auch 2025 eine zentrale Engstelle im europäischen Güterverkehr. Die Verbindung verbindet den Hafen Rotterdam mit dem Ruhrgebiet. Die Niederlande haben ihren Streckenabschnitt bereits 2009 fertiggestellt. Deutschland hinkt beim Ausbau zwischen Emmerich und Oberhausen deutlich hinterher. Dem Planungsstand nach soll das dritte Gleis erst in mehreren Jahren fertiggestellt sein. Die niederländische Regierung kritisiert die Verzögerungen scharf und warnt vor langfristigen Folgen für den grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr.

Hintergründe der Verzögerung

Die Ursachen liegen vor allem in fehlenden Genehmigungen und sich überschneidenden Infrastrukturprojekten. Ein Schreiben des niederländischen Verkehrsministeriums an das Parlament in Den Haag belegte, dass in Deutschland Umwelt- und Baugenehmigungen fehlen. Diese sind für den dreigleisigen Ausbau notwendig. Zudem behindern andere Bahnprojekte wie die Generalsanierung der Strecke den Fortschritt. Die Deutsche Bahn plant bis Mitte 2026 Teilsperren und Eingleisbetrieb, um den Verkehr zu erhalten. Experten schätzen jedoch, dass die vollständige Fertigstellung erst in zehn Jahren erreicht sein wird. Das widerspricht den Vereinbarungen von 1992, als Deutschland und die Niederlande den Ausbau der Route im Rahmen des europäischen Güterverkehrskorridors Rhein–Alpen beschlossen hatten.

Gegenwärtig finden in Oberhausen und Umgebung umfangreiche Bauarbeiten statt. Die Weierstraße wird bis 2027 für den Durchgangsverkehr gesperrt, um zwei Brücken zu erneuern, die die Betuwe-Route überqueren. Gleichzeitig kommt es zu mehreren Totalsperren der Bahnstrecke Emmerich–Oberhausen, was Umleitungen verursacht. Im Oktober 2025 wurde der Zugverkehr zeitweise unterbrochen; Ersatzbusse übernahmen die Verbindungen zwischen Oberhausen und Wesel. Solche Maßnahmen verlängern Fahrzeiten und verdeutlichen die prekäre Infrastrukturlage. Die Stadt Oberhausen verweist darauf, dass Genehmigungsverfahren allein vom Eisenbahnbundesamt und der Deutschen Bahn entschieden werden, wodurch kommunale Einflussmöglichkeiten begrenzt sind.

Für mittelständische Unternehmen hat die Situation konkrete Folgen. Grenzstau in Emmerich verzögert grenzüberschreitende Transporte ab Rotterdam. Die Wartezeiten sind unvorhersehbar. Branchenverbände warnen, dass die geringe Kapazität der Betuwe-Route den Schienengüterverkehr langfristig weniger attraktiv macht. Klimaziele, die den Schienenverkehr stärken sollen, rücken dadurch in Gefahr. Die Deutsche Bahn verspricht, dass der Ausbau ab Sommer 2026 wieder regulär möglich sein werde. Experten zweifeln jedoch an der Einhaltung der Zeitpläne. Nur zwölf Planfeststellungsabschnitte sind derzeit teilweise genehmigt; viele Abschnitte warten noch auf Entscheidungen.

Die Betuwe-Route gilt als Anschauliches Beispiel für die Herausforderungen bürokratischer Hürden bei Infrastrukturprojekten in Deutschland. Die Niederlande setzen ihre Abschnitte zügig um, während der deutsche Teil von Genehmigungsverfahren und mangelnder Koordination zwischen Bund, Ländern und Kommunen ausgebremst wird. Für den Mittelstand bedeutet das höhere Logistikkosten und größere Planungsunsicherheit bei internationalen Transporten. Ohne beschleunigte Verfahren droht Deutschland seine Rolle als zentraler Knotenpunkt im europäischen Schienennetz zu verlieren. Das würde Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz gleichermaßen betreffen.

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