zum Inhalt

Mindestlohnerhöhung belastet den Mittelstand: Viele Unternehmen planen Stellenabbau

Photo by Sam Balye / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Zum 1. Januar 2026 steigt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland von 12,82 auf 13,90 Euro pro Stunde. Für viele kleine und mittlere Unternehmen bedeutet das eine erhebliche Belastung. Laut einer aktuellen Umfrage des ifo Instituts planen 22 Prozent der direkt betroffenen Firmen, Stellen abzubauen. Weitere 28 Prozent rechnen mit reduzierten Investitionen, und die Hälfte der Unternehmen bereitet Preiserhöhungen vor. Die Studie basiert auf Befragungen von über 4.600 Unternehmen im Oktober 2025. Die Ergebnisse zeigen, dass die Auswirkungen der Lohnerhöhung in der aktuellen konjunkturellen Schwäche besonders spürbar sind.

Branchen im Fokus: Gastronomie, Handel und verarbeitendes Gewerbe besonders betroffen

Branchen mit vielen geringfügig entlohnten Beschäftigten spüren die Erhöhung am stärksten. Im Gastgewerbe geben 77 Prozent der Unternehmen an, direkt betroffen zu sein; im Einzelhandel sind es 71 Prozent. Im Textil- und Bekleidungsgewerbe (62 Prozent) sowie bei Herstellern von Nahrungs- und Genussmitteln (59 Prozent) rechnen viele Firmen mit steigenden Kosten. Im Baugewerbe hat der gesetzliche Mindestlohn geringe Relevanz, da dort branchenspezifische Mindestlöhne gelten, die über dem neuen Niveau liegen. Insgesamt gaben 37 Prozent der befragten Unternehmen an, von der Lohnerhöhung betroffen zu sein.

Schärfere Reaktionen als bei der Erhöhung 2022

Ein Blick auf den Vergleich mit der letzten großen Mindestlohnerhöhung vor drei Jahren zeigt klare Unterschiede. Damals planten 11 Prozent der betroffenen Unternehmen Stellen abzubauen. Heute sind es mehr als doppelt so viele. Auch bei Investitionen gibt es einen deutlichen Trend nach unten: 28 Prozent planen Kürzungen, gegenüber 15 Prozent im Jahr 2022. Der ifo-Forscher Sebastian Link erläutert, dass der Anstieg von 8,4 Prozent deutlich über dem erwarteten Tariflohn von drei Prozent im Jahr 2026 liegt. Das erhöht die Belastung für Unternehmen, die ohnehin in einer wirtschaftlichen Schwächephase arbeiten.

Kritik von Gewerkschaften: Befürchtungen oft übertrieben

Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht die Unternehmenssorgen nicht uneingeschränkt bestätigt. Vorstandsmitglied Stefan Körzell betont, dass frühere Mindestlohnerhöhungen oft düstere Prognosen begleiteten, die sich nicht bewahrheitet hätten. So sei die Beschäftigung nach Einführung des Mindestlohns sogar gestiegen. Dennoch warnen Experten, dass die aktuelle Konjunktur anders ist als 2022. Hohe Inflation, Zinserhöhungen und schwache Exportmärkte machen viele Mittelständler zusätzlich anfällig für Kostensteigerungen.

Gewinnen Sie neue Kunden über das Maschinen Journal
MJ Image

Das Maschinen Journal erreicht jeden Monat tausende Entscheider aus dem industriellen Mittelstand. Nutzen Sie unsere Reichweite, um Ihre Produkte genau dort zu platzieren, wo Kaufentscheidungen entstehen.

Sie wollen mehr Anfragen erzielen?

→ Jetzt Artikel anfragen

Aktuelles

Tagesthemen vom 05.02.2026

Starker Euro setzt EZB unter Zugzwang Die Europäische Zentralbank belässt den Einlagensatz zwar bei zwei Prozent, gerät aber wegen der Währungsentwicklung zunehmend unter Druck. Der Dollar verliert an Bedeutung, große Investoren und Staaten wie China fahren ihre Dollar-Bestände zurück. Zugleich hat sich der Euro spürbar aufgewertet. Das dämpft zwar die

Kartellamt setzt neue Maßstäbe

Kartellamt setzt neue Maßstäbe

Am 5. Februar 2026 hat das Bundeskartellamt Amazon eine schwere Niederlage zugefügt. Die Behörde verbot dem Onlinehändler, Preisobergrenzen für unabhängige Händler auf dem Amazon Marketplace festzulegen. Zusätzlich verhängte sie eine Strafe von 59 Millionen Euro. Für viele Mittelständler im Onlinehandel ist dies ein wichtiger Sieg im Wettbewerb gegen den Marktplatzbetreiber.

Starker Euro drückt auf EZB-Politik: Zinssenkung rückt in den Fokus

Starker Euro drückt auf EZB-Politik: Zinssenkung rückt in den Fokus

Die Europäische Zentralbank hält ihre Leitzinsen vorerst stabil. Bei ihrer Sitzung am Donnerstag beschloss das EZB-Direktorium, den Einlagensatz unverändert bei zwei Prozent zu belassen. Das entsprach den Erwartungen der Finanzmärkte. Doch hinter dieser Entscheidung zeichnen sich neue Spannungen ab, die die Geldpolitik in absehbarer Zeit verändern könnten. Warum der Dollar

Tagesthemen vom 04.02.2026

Inflation im Euroraum unter EZB-Ziel – aber mit deutlichen Unterschieden Die Inflation in der Eurozone ist im Januar 2026 auf 1,7 Prozent gefallen und liegt damit erstmals seit Herbst 2024 unter dem Zielwert der EZB. Treiber sind vor allem sinkende Energiepreise, die im Jahresvergleich um 4,1 Prozent zurückgingen. Lebensmittel