zum Inhalt

Lagarde prüft vorzeitigen Rücktritt von der EZB-Spitze

Photo by Charlotte Venema / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Nach einem Bericht der Financial Times prüft Christine Lagarde, ob sie ihre Amtszeit früher beenden könnte. Anstatt bis Oktober 2027 im Amt zu bleiben, könnte sie bereits vor der französischen Präsidentenwahl im April 2027 zurücktreten. Offizielle Äußerungen der EZB bleiben vage. Ein Sprecher erklärte, Lagarde konzentriere sich auf ihre Aufgaben und habe noch keine Entscheidung getroffen. Die jüngst geäußerte Formulierung lässt jedoch Raum für Spekulationen.

Politische Motive hinter dem Schritt

Politische Überlegungen scheinen den geplanten Schritt zu treiben. Präsident Macron will offenbar die Nachfolge an der EZB regeln, bevor sein Einfluss durch die französische Wahl sinkt. Nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten kann Macron nicht erneut kandidieren. Ein vorzeitiger Rückzug Lagardes würde es Macron und dem Bundeskanzler Friedrich Merz ermöglichen, gemeinsam einen Nachfolger zu bestimmen, solange liberale, proeuropäische Kräfte in den Regierungen vertreten sind. Eine Sorge gilt dem möglichen Aufstieg rechtspopulistischer Kräfte wie Marine Le Pen und Jordan Bardella, die in Umfragen vorne liegen. Mit einer euroskeptischen Regierung in Paris könnten künftige Personalentscheidungen in europäischen Institutionen deutlich komplizierter werden.

Auswirkungen auf den Mittelstand

Auch der deutsche Mittelstand spürt die Entwicklungen. Die Führung der EZB bestimmt wesentlich die Geldpolitik des Euro-Raums, einschließlich Leitzinsen, Inflation und Kreditvergabe. Wer die Notenbank künftig führt, beeinflusst mittel- und langfristig Finanzierungskosten und Investitionsmöglichkeiten von Unternehmen. Ein Wechsel zu lockerer oder strafferer Geldpolitik wirkt sich direkt auf Investitionen und Refinanzierungskosten aus. Experten wie Holger Schmieding von der Berenberg Bank sehen in einem frühzeitigen Nachfolgerwechsel eher Stabilisierung, da Europa sich auf mögliche Blockaden vorbereitet und das Risiko politischer Lähmung reduziert.

Kandidaten im Rennen um Lagardes Nachfolge

Mehrere namhafte Kandidaten liegen im Rennen. Die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat Interesse signalisiert. Weitere aussichtsreiche Kandidaten sind der ehemalige spanische Notenbankchef Pablo Hernández de Cos und Klaas Knot, Präsident der niederländischen Zentralbank. Auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel wird genannt. Da Frankreich den Posten bereits zweimal besetzt hat, könnte sich ein Dreierwettbewerb zwischen Deutschland, Spanien und den Niederlanden abzeichnen.

Gewinnen Sie neue Kunden über das Maschinen Journal
MJ Image

Das Maschinen Journal erreicht jeden Monat tausende Entscheider aus dem industriellen Mittelstand. Nutzen Sie unsere Reichweite, um Ihre Produkte genau dort zu platzieren, wo Kaufentscheidungen entstehen.

Sie wollen mehr Anfragen erzielen?

→ Jetzt Artikel anfragen

Aktuelles

Tagesthemen vom 18.02.2026

Elektronische Patientenakte bleibt hinter Erwartungen zurück Knapp ein Jahr nach dem Start der elektronischen Patientenakte fällt die Bilanz ernüchternd aus. Verbraucherschützer und Ärzte kritisieren eine komplizierte Registrierung, fehlende Funktionen und eine technisch schwache Umsetzung. Von 74 Millionen gesetzlich Versicherten nutzen nur wenige die ePA aktiv, viele wissen nicht einmal, dass

Merz zieht Notbremse beim FCAS-Kampfjetprojekt

Der deutsch-französische Rüstungsverband FCAS steht unter Druck. Bundeskanzler Friedrich Merz hat in einem Podcast Zweifel an der Machbarkeit des Luftkampfsystems geäußert. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, ob dieses teure Vorhaben überhaupt zu retten ist. Für den deutschen Mittelstand, der in den Lieferketten solcher Großprojekte eine wichtige Rolle spielt,

Kritik an der elektronischen Patientenakte

Kritik an der elektronischen Patientenakte

Knapp ein Jahr nach dem Start der elektronischen Patientenakte zeichnet sich ein klares Bild der Probleme ab. Verbraucherschützer und Ärzte sehen unzureichende Funktionalität und mangelhafte Umsetzung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband zieht eine kritische Bilanz und fordert schnelle Verbesserungen. Das Potenzial der ePA ist erkannt, doch die Praxis bewegt sich deutlich langsamer

Tagesthemen vom 17.02.2026

Streikwoche bei der Autobahn GmbH Die Gewerkschaft ver.di hat bei der Autobahn GmbH des Bundes eine mehrtägige Streikwelle gestartet. Betroffen sind vor allem Autobahnmeistereien sowie Verkehrs- und Tunnelleitzentralen in vielen Regionen. Hintergrund ist ein Tarifkonflikt für rund 14.000 Beschäftigte. Ver.di fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch