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Der Konflikt um das Mercosur-Freihandelsabkommen hat die Grünen in eine innenpolitische Zwickmühle geführt. Eine Mehrheit der Grünen-Abgeordneten in Europa plädiert dafür, das Abkommen zur Prüfung an den Europäischen Gerichtshof zu verweisen. Das stieß auf heftige Kritik, auch innerhalb der Partei. Die Parteispitze kündigt nun eine deutliche Wende in der Handelspolitik an.
Neuer Kurs nach parteiinternen Spannungen
Die Parteivorsitzenden Felix Banaszak und Franziska Brantner signalisieren eine klare Richtungsänderung. Bei einer Klausurtagung in Berlin legte der Vorstand ein Papier vor, das eine zügige Ratifizierung des Mercosur-Abkommens befürwortet. Deutschland und die EU sollen ihre wirtschaftlichen Beziehungen sichern. Geopolitische Herausforderungen machen das nötig. Die Führung sieht das bisherige Erfolgsmodell unter Druck. Eine starke Wirtschaft soll das Vertrauen in staatliche Institutionen stärken.
Diversifizierung der Handelsbeziehungen als Strategie
Die Grünen setzen über Mercosur hinaus auf neue Partnerschaften. Sie plädieren für Freihandelsabkommen mit Indien und mit Mitgliedern der CPTPP. Dazu gehören Australien, Japan und Mexiko. Außerdem sollen bilaterale Vereinbarungen für ausgewählte Waren und Dienstleistungen geschlossen werden, um Verhandlungen zu beschleunigen. Ziel ist, Europa weniger abhängig von einzelnen Handelspartnern zu machen. So soll wirtschaftlicher Druck besser abgewehrt werden.
Unterstützung aus dem Kanzleramt
Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigt den Kurs. Er kritisiert das Abstimmungsverhalten der Grünen-Abgeordneten. Er plädiert für eine vorläufige Inkraftsetzung des Mercosur-Abkommens. Aus seiner Sicht sendet dies ein Zeichen europäischer Entschlossenheit. Angesichts geopolitischer Spannungen lasse sich Europa nicht von Gegnern der Handelspolitik aufhalten.
Schutzmaßnahmen für europäische Industrien
Die Grünen planen außerdem Schutzmechanismen für europäische Unternehmen. Dazu gehören strategische Rohstoffreserven gegen Erpressungen sowie ein stärkerer Schutz vor unlauterem Wettbewerb. Konkretes Beispiel: Fördermittel für E-Autos sollen nur Fahrzeugen zugutekommen, die überwiegend in Europa produziert werden. Handelspolitik soll Öffnung mit Verteidigung der heimischen Industrie verbinden.
Praktische Auswirkungen für die Wirtschaft
Der Mittelstand könnte vom Mercosur-Abkommen profitieren. Deutsche Firmen könnten Autos, Chemieprodukte und Maschinen leichter nach Südamerika verkaufen. Gleichzeitig öffnen sich europäische Märkte für südamerikanische Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die angekündigte Öffnung gegenüber Indien und weiteren asiatischen Partnern schafft zusätzliche Perspektiven. Unternehmen mit globaler Tätigkeit sollten die neuen Marktchancen beobachten.
Ausblick
Mit der Kurskorrektur hoffen die Grünen, Vertrauen in der Partei, bei Koalitionspartnern und in der Wirtschaft zurückzugewinnen. Handelspolitik wird zu einer Frage der europäischen Widerstandskraft.
