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Deutschlands Gasspeicher stehen zu Jahresbeginn unter Druck. Der Füllstand liegt bei 53 Prozent. Das erinnert an den Anfang des Jahres 2022. Damals erreichte die Energiekrise in Europa ihren Höhepunkt. Die andauernde Kälte im Januar verschärft die Lage. Der Gasverbrauch für Heizung ist deutlich höher als üblich. Die Situation heute unterscheidet sich jedoch deutlich von der damaligen Notlage.
Beim Blick auf die Füllstände fallen Unterschiede auf. Im Januar 2022 lag der Speicherstand bei etwa 52,8 Prozent. Zu Jahresbeginn 2026 beträgt er rund 53 Prozent. Im Jahr 2022 standen die Speicher bereits Monate unter Druck. Im Herbst dieses Jahres waren sie mit bis zu 76,7 Prozent gut gefüllt. Der Winter 2025/26 begann mit 75 Prozent. Das schien zunächst als ausreichende Reserve. Dennoch warnen die Betreiber: Bei sehr kaltem Januar und Februar könnten die Vorräte bis Ende März unter fünf Prozent sinken. Dann wäre die Versorgung kritisch.
Die niedrigen Füllstände entstehen nicht allein durch Kälte. Branchenexperten kritisieren fehlende wirtschaftliche Anreize für Speicherbetreiber. Energiekonzerne wie Uniper berichten, dass viele Speichereinheiten nur teilweise gebucht sind. Es seien auch Stilllegungsanträge gestellt worden. Unter den aktuellen Marktbedingungen rechnet sich der Speicherbetrieb nicht. Puffer für Krisen fehlen, obwohl technisch Kapazitäten vorhanden wären.
Eine positive Nachricht: Die unmittelbare Versorgungssicherheit ist deutlich besser als 2022. LNG-Terminals an Nord- und Ostsee ermöglichen eine flexiblere Beschaffung. Mit fünf deutschen LNG-Terminals könnten in den Wintermonaten rund 16 Prozent des Gasbedarfs gedeckt werden. Zusätzlich sichern Pipelineimporte aus Norwegen sowie Lieferungen über Belgien, die Niederlande und Frankreich weitere Stabilität. Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungslage derzeit als stabil, vorausgesetzt es bleibt geopolitisch ruhig.
Dennoch bestehen Risiken. Energieversorger wie EWE mahnen zur Vorsicht. Fällt LNG aus oder bricht eine wichtige Pipeline weg, kann es zu Engpässen kommen. Große industrielle Abnehmer sollten ihr Risikomanagement stärken. Der EWE-Chef Stefan Dohler fordert eine strategische Gasreserve nach dem Vorbild Österreichs. Ein staatlich verwalteter Puffer, der nicht regelmäßig genutzt wird, sondern nur in Notfällen greift. Das würde Kosten verursachen, entweder für den Staat oder die Versorger.
Für den Mittelstand ergibt sich daraus: Kurzfristig besteht kein akuter Versorgungsmangel. Langfristig sollten sich Versorger und Industrie stärker diversifizieren. Lieferketten müssten geprüft und Notfallpläne aktualisiert werden. Die Lage am Gasmarkt bleibt volatil. Hohe LNG-Preise gegenüber Pipelinegas beeinflussen die Kosten weiter. Die Energiewende braucht daher auch wirtschaftliche Planung und politische Rahmenbedingungen.
