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Die Europäische Union hat ihren Kurs bei der Stromversorgung deutlich geändert. Auf einem internationalen Gipfel zur Kernenergie Anfang März 2026 in Frankreich signalisierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine neue Richtung der europäischen Energiepolitik. Sie bezeichnete die Abkehr von der Atomkraft als strategischen Fehler und kündigte konkrete finanzielle Unterstützungen an.
Von der Leyen machte deutlich, wie stark der Anteil der Atomkraft am Strommix der EU gesunken ist. 1990 lieferten Kernkraftwerke rund ein Drittel des europäischen Stroms. Heute beträgt der Anteil knapp 15 Prozent. Sie betonte, dass Atomkraft weltweit nach Wasserkraft die zweitgrößte Quelle emissionsarmen Stroms bleibt und eine wichtige Rolle für die Stabilität der Versorgung spielt.
Um private Investoren für neue Atomtechnologien zu gewinnen, kündigte die EU Risikoabsicherungen in Höhe von 200 Millionen Euro an. Die Mittel sollen aus dem europäischen Emissionshandel stammen. Damit setzt die Kommission ein klares Zeichen: Die EU will technologisch in diesem Bereich vorankommen und unabhängig von Entwicklungen in den USA, Kanada oder China bleiben.
Besonderes Augenmerk liegt auf kleinen, modularen Reaktoren. Diese sogenannten SMR-Reaktoren stehen für Small Modular Reactors. Sie versprechen mehr Flexibilität und geringere Investitionen als herkömmliche Großanlagen. Die EU-Kommission legte eine umfassende Strategie vor, um die Entwicklung dieser Technologie in den kommenden zehn Jahren zu beschleunigen. Das Programm soll Forschung, Entwicklung und möglicherweise auch Finanzierungshilfen abdecken.
Frankreich treibt die Pläne voran und fordert, dass Atomenergie und erneuerbare Energien beim Zugang zu EU-Mitteln gleichgestellt werden. Der Grund liegt auf der Hand: Globale Konkurrenten aus Amerika und Asien ziehen rasch davon. Europa darf den Anschluss nicht verlieren.
In Europa wächst die Unterstützung für Atomkraft. Inzwischen haben sich 16 EU-Mitgliedstaaten zur Europäischen Nuklearallianz zusammengeschlossen. Sie setzen darauf, dass Kernenergie in der EU eindeutig als klimafreundlich anerkannt wird und bei der Finanzierung nicht benachteiligt wird. Für technische Entscheider im Mittelstand bedeutet das: Die Energieversorgung wird diversifizierter, und Strompreise könnten stabiler sein, wenn mehrere Quellen verfügbar sind.
Deutschland bleibt skeptisch. Auf dem Pariser Gipfel war kein deutscher Regierungsvertreter vertreten. Berlin schaltete 2023 seine letzten Atomkraftwerke ab. Umweltminister Carsten Schneider lehnt neue Atomkraft in Deutschland ab und kritisiert SMR-Reaktoren scharf. Er hält sie für gefährlich und weniger effizient als Großanlagen. Zudem warnt er davor, dass deutsches Geld über die EU in solche Projekte fließen könnte.
Trotz dieser Ablehnung ist zu erwarten, dass Atomkraft in der europäischen Energiepolitik künftig eine wichtigere Rolle spielen wird. Mittelständische Unternehmen sollten diese Entwicklung aufmerksam beobachten, denn sie beeinflusst Strompreise, Versorgungssicherheit und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Europas.
