zum Inhalt

EU kehrt Kurs um: Atomkraft als zentrale Säule der Energieversorgung

Photo by Lukáš Lehotský / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Die Europäische Union hat ihren Kurs bei der Stromversorgung deutlich geändert. Auf einem internationalen Gipfel zur Kernenergie Anfang März 2026 in Frankreich signalisierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine neue Richtung der europäischen Energiepolitik. Sie bezeichnete die Abkehr von der Atomkraft als strategischen Fehler und kündigte konkrete finanzielle Unterstützungen an.

Von der Leyen machte deutlich, wie stark der Anteil der Atomkraft am Strommix der EU gesunken ist. 1990 lieferten Kernkraftwerke rund ein Drittel des europäischen Stroms. Heute beträgt der Anteil knapp 15 Prozent. Sie betonte, dass Atomkraft weltweit nach Wasserkraft die zweitgrößte Quelle emissionsarmen Stroms bleibt und eine wichtige Rolle für die Stabilität der Versorgung spielt.

Um private Investoren für neue Atomtechnologien zu gewinnen, kündigte die EU Risikoabsicherungen in Höhe von 200 Millionen Euro an. Die Mittel sollen aus dem europäischen Emissionshandel stammen. Damit setzt die Kommission ein klares Zeichen: Die EU will technologisch in diesem Bereich vorankommen und unabhängig von Entwicklungen in den USA, Kanada oder China bleiben.

Besonderes Augenmerk liegt auf kleinen, modularen Reaktoren. Diese sogenannten SMR-Reaktoren stehen für Small Modular Reactors. Sie versprechen mehr Flexibilität und geringere Investitionen als herkömmliche Großanlagen. Die EU-Kommission legte eine umfassende Strategie vor, um die Entwicklung dieser Technologie in den kommenden zehn Jahren zu beschleunigen. Das Programm soll Forschung, Entwicklung und möglicherweise auch Finanzierungshilfen abdecken.

Frankreich treibt die Pläne voran und fordert, dass Atomenergie und erneuerbare Energien beim Zugang zu EU-Mitteln gleichgestellt werden. Der Grund liegt auf der Hand: Globale Konkurrenten aus Amerika und Asien ziehen rasch davon. Europa darf den Anschluss nicht verlieren.

In Europa wächst die Unterstützung für Atomkraft. Inzwischen haben sich 16 EU-Mitgliedstaaten zur Europäischen Nuklearallianz zusammengeschlossen. Sie setzen darauf, dass Kernenergie in der EU eindeutig als klimafreundlich anerkannt wird und bei der Finanzierung nicht benachteiligt wird. Für technische Entscheider im Mittelstand bedeutet das: Die Energieversorgung wird diversifizierter, und Strompreise könnten stabiler sein, wenn mehrere Quellen verfügbar sind.

Deutschland bleibt skeptisch. Auf dem Pariser Gipfel war kein deutscher Regierungsvertreter vertreten. Berlin schaltete 2023 seine letzten Atomkraftwerke ab. Umweltminister Carsten Schneider lehnt neue Atomkraft in Deutschland ab und kritisiert SMR-Reaktoren scharf. Er hält sie für gefährlich und weniger effizient als Großanlagen. Zudem warnt er davor, dass deutsches Geld über die EU in solche Projekte fließen könnte.

Trotz dieser Ablehnung ist zu erwarten, dass Atomkraft in der europäischen Energiepolitik künftig eine wichtigere Rolle spielen wird. Mittelständische Unternehmen sollten diese Entwicklung aufmerksam beobachten, denn sie beeinflusst Strompreise, Versorgungssicherheit und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Europas.

Gewinnen Sie neue Kunden über das Maschinen Journal
MJ Image

Das Maschinen Journal erreicht jeden Monat tausende Entscheider aus dem industriellen Mittelstand. Nutzen Sie unsere Reichweite, um Ihre Produkte genau dort zu platzieren, wo Kaufentscheidungen entstehen.

Sie wollen mehr Anfragen erzielen?

→ Jetzt Artikel anfragen

Aktuelles

Arbeitsministerin Bas drängt auf klare Regeln für KI am Arbeitsplatz

Arbeitsministerin Bas drängt auf klare Regeln für KI am Arbeitsplatz

Auf der Netzkonferenz re:publica machte Arbeitsministerin Bärbel Bas deutlich, dass KI nicht unkontrolliert in Unternehmen Einzug halten soll. Es braucht klare Regeln statt Wildwuchs. Demokratisch legitimierte Vorgaben sollen Beschäftigte schützen und Innovation ermöglichen. Aufbruch mit Ansage: KI ja, Wildwuchs nein Bas sieht KI als fundamentalen Wandel der Arbeitswelt. Sie

EU-Parlament beschließt neue Schutzmaßnahmen für die Stahlbranche

EU-Parlament beschließt neue Schutzmaßnahmen für die Stahlbranche

Heute stimmt das Europäische Parlament über eine aktualisierte Durchsetzungsverordnung ab, die ab Juli 2026 alternative Schutzmaßnahmen für die Stahlindustrie vorsieht. Die Regelungen ersetzen die bisherigen WTO-basierten Importbeschränkungen, die am 30. Juni auslaufen. Hintergrund ist die globale Überproduktion, die europäische Stahlhersteller unter Druck setzt. Mit mengenmäßigen Einfuhrkontingenten und höheren Schutzzöllen soll

Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz-Änderung: Wochenmodell statt Acht-Stunden-Tag

Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz-Änderung: Wochenmodell statt Acht-Stunden-Tag

Die Regierung will das Arbeitszeitgesetz reformieren. Ziel ist ein Wochenmodell statt einer festen Acht-Stunden-Tagesgrenze. Was geplant ist Die Regierung bereitet eine Reform vor, die die bisher zentrale Definition der Arbeitszeit verändert. Statt der täglichen Höchstdauer von acht Stunden soll künftig eine wöchentliche Obergrenze gelten. Der Vorschlag steht im Koalitionsvertrag und

Vier Jahre Kriegsfolgen treffen Produktion und Jobs

Vier Jahre Kriegsfolgen treffen Produktion und Jobs

Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 erlebt die deutsche Industrie einen tiefgreifenden Strukturwandel. Besonders energieintensive Branchen treffen hart. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes brach die Produktion in Chemie, Metallerzeugung, Glas und Papier um 15,2 Prozent ein. Das lag deutlich über dem Branchendurchschnitt. In