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Der US-Hersteller Boeing hat im laufenden Jahr erstmals seit sechs Jahren die Nase bei den Neuaufträgen vor dem europäischen Rivalen Airbus. Bis Ende November 2025 verzeichnete Boeing netto 908 Bestellungen, Airbus lag bei 700 Bestellungen. Die Entwicklung markiert eine deutliche Wende im jahrzehntelangen Wettstreit der beiden Branchenriesen. Airbus-Chef Guillaume Faury sagte in einem Interview, die Zollpolitik von Trump habe die Auftragslage maßgeblich beeinflusst. Zahlreiche Fluggesellschaften, vor allem in Asien, hätten Boeing-Flugzeuge bestellt, um im Rahmen von Handelsverhandlungen mit den USA entgegenzukommen.

Starke Nachfrage nach Langstreckenmodellen

Boeings Erfolg basiert vor allem auf der hohen Nachfrage nach dem Langstreckenmodell 787 Dreamliner und der modernisierten 737 Max. Bis Oktober 2025 zählte der Konzern 836 Bruttobestellungen, darunter Großaufträge aus Asien und Nordamerika. Airbus meldete im Oktober 112 neue Bestellungen und lag insgesamt bei 722 Bestellungen im Vergleich zum Vorjahr deutlich hinter Boeing. Branchenexperten weisen darauf hin, dass Großaufträge in der Luftfahrt volatil sind. Einzelne Großaufträge können die Bilanz eines Monats stark zugunsten eines Herstellers verschieben, wie es zuletzt bei Boeing der Fall war.

Protektionismus als ungewollter Wettbewerbsvorteil

Die Zollpolitik der USA hat Boeing indirekt gestärkt. Trumps Ankündigung pauschaler Einfuhrabgaben auf Flugzeuge und Teile aus der EU setzte Druck auf internationale Airlines, sich bei den USA zu positionieren. Experten zufolge nutzten Länder wie Japan und Südkorea Bestellungen von Boeing-Flugzeugen als Verhandlungsmasse, um Strafzölle abzuwenden. Airbus profitiert hingegen von einer eigenen Endmontage in den USA, die Zollschikanen teilweise entschärft. Boeing bezieht viele Komponenten weltweit, was bei steigenden Zöllen die Produktionskosten erhöht und die Margen schmälert. Sollte China als wichtiger Absatzmarkt auf Comac oder Airbus umschwenken, droht dem US-Hersteller langfristig ein Rückstand.

Auslieferungen bleiben Airbus-Domäne

Trotz der Führung bei den Neuaufträgen liegt Airbus bei den tatsächlichen Auslieferungen vorn. Bis Oktober 2025 hatte Boeing 493 Flugzeuge ausgeliefert, während Airbus im Oktober 78 Auslieferungen verzeichnen konnte und damit den monatlichen Vorsprung ausbaute. Der europäische Hersteller arbeitet stabiler am Band, während Boeing nach Problemen mit der 737 Max und der Dreamliner wieder Tempo aufnimmt. US-Behörden hatten kürzlich eine Steigerung der 737-Max-Produktion auf 42 Maschinen pro Monat genehmigt. Dennoch liefert Airbus derzeit deutlich mehr Stückzahlen. Für mittelständische Zulieferer bleibt abzuwarten, ob Boeing die angekündigte Produktionssteigerung nachhaltig umsetzen kann.

Blick auf die Zukunft

Beide Hersteller stehen vor ähnlichen Aufgaben: Emissionsreduktion durch Wasserstofftechnologie und der Umgang mit instabilen Lieferketten. Airbus setzt weiter auf ehrgeizige Wasserstoffziele, Boeing ist vorsichtiger. Beide müssen zudem mit den Folgen protektionistischer Handelspolitik umgehen. Für deutsche Mittelständler als Zulieferer bedeutet dies, sich auf volatile Rahmenbedingungen einzustellen. Wer künftig den größeren Marktanteil hält, hängt nicht nur von technischen Innovationen ab, sondern auch von einer diplomatischen Entschärfung des transatlantischen Zollkonflikts.

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