zum Inhalt
Photo by Kevin JD / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Die Übernahme des Leverkusener Kunststoffherstellers Covestro durch die staatliche Ölgesellschaft aus Abu Dhabi ist faktisch abgeschlossen. Mit mehr als 95 Prozent der Aktienanteile liegt die Kontrolle beim Adnoc-Konzern. Anfang Januar 2026 hat die Adnoc-Tochter XRG das Squeeze-Out-Verfahren offiziell eingeleitet. Das bedeutet, dass die verbleibenden Minderheitsaktionäre ihre Anteile automatisch übertragen. Covestro wird damit von der Börse genommen. Der lange Prozess begann im Juli 2023 und nähert sich dem Abschluss.

Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand

Covestro gehört zu den führenden Herstellern von Polyurethanen, Polycarbonaten und nachhaltigen Kunststofflösungen. Viele mittelständische Verarbeiter, Compoundierer und Produzenten spezieller Kunststoffe sind auf Covestro-Technologien und Rohstoffe angewiesen. Die neue Eigentümerstruktur wirft Fragen zur Versorgung auf. Welche strategischen Prioritäten setzt Adnoc beim deutschen Chemiekonzern?

EU-Auflagen bei der Übernahme

Die Europäische Kommission hat die Übernahme unter klaren Bedingungen genehmigt. Die Prüfung zeigte Hinweise auf finanzielle Unterstützungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die den Wettbewerb beeinflussen könnten. Unbegrenzte Staatsgarantien für Adnoc sowie eine geplante Kapitalerhöhung bei Covestro könnten Investitionen erleichtern. Um Verzerrungen zu vermeiden, verlangt Brüssel zwei Maßnahmen: Covestro muss seine Technologien auf dem europäischen Markt lizenzieren. Zudem sollen Wettbewerber Zugriff auf zentrale Schlüsseltechnologien behalten, insbesondere auf Verfahren für emissionsärmere und energiesparendere Produktion. Die Auflagen gelten zehn Jahre. Für mittelständische Kunststoffverarbeiter ist das relevant. Sie profitieren davon, dass Covestro-Technologien nicht abgeschottet werden. Gleichzeitig könnten Preispolitiken des neuen Eigentümers Folgen haben.

Personelle Veränderungen signalisieren neue Strategie

Der Wechsel an der Konzernspitze deutet auf eine neue Richtung hin. Der erfahrene Manager Rainer Seele übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat. Die Finanzvorständin Christian Baier verlässt Covestro im September 2026. Solche Umbesetzungen sind typisch nach größeren Übernahmen. Sie zeigen, dass Adnoc das Unternehmen künftig nach eigenen Maßgaben führt. Ob Covestro weiter als reiner Kunststoffhersteller agiert oder Synergien mit dem Ölgeschäft genutzt werden, wird sich bald zeigen.

Gewinnen Sie neue Kunden über das Maschinen Journal
MJ Image

Das Maschinen Journal erreicht jeden Monat tausende Entscheider aus dem industriellen Mittelstand. Nutzen Sie unsere Reichweite, um Ihre Produkte genau dort zu platzieren, wo Kaufentscheidungen entstehen.

Sie wollen mehr Anfragen erzielen?

→ Jetzt Artikel anfragen

Aktuelles

Arbeitsministerin Bas drängt auf klare Regeln für KI am Arbeitsplatz

Arbeitsministerin Bas drängt auf klare Regeln für KI am Arbeitsplatz

Auf der Netzkonferenz re:publica machte Arbeitsministerin Bärbel Bas deutlich, dass KI nicht unkontrolliert in Unternehmen Einzug halten soll. Es braucht klare Regeln statt Wildwuchs. Demokratisch legitimierte Vorgaben sollen Beschäftigte schützen und Innovation ermöglichen. Aufbruch mit Ansage: KI ja, Wildwuchs nein Bas sieht KI als fundamentalen Wandel der Arbeitswelt. Sie

EU-Parlament beschließt neue Schutzmaßnahmen für die Stahlbranche

EU-Parlament beschließt neue Schutzmaßnahmen für die Stahlbranche

Heute stimmt das Europäische Parlament über eine aktualisierte Durchsetzungsverordnung ab, die ab Juli 2026 alternative Schutzmaßnahmen für die Stahlindustrie vorsieht. Die Regelungen ersetzen die bisherigen WTO-basierten Importbeschränkungen, die am 30. Juni auslaufen. Hintergrund ist die globale Überproduktion, die europäische Stahlhersteller unter Druck setzt. Mit mengenmäßigen Einfuhrkontingenten und höheren Schutzzöllen soll

Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz-Änderung: Wochenmodell statt Acht-Stunden-Tag

Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz-Änderung: Wochenmodell statt Acht-Stunden-Tag

Die Regierung will das Arbeitszeitgesetz reformieren. Ziel ist ein Wochenmodell statt einer festen Acht-Stunden-Tagesgrenze. Was geplant ist Die Regierung bereitet eine Reform vor, die die bisher zentrale Definition der Arbeitszeit verändert. Statt der täglichen Höchstdauer von acht Stunden soll künftig eine wöchentliche Obergrenze gelten. Der Vorschlag steht im Koalitionsvertrag und

Vier Jahre Kriegsfolgen treffen Produktion und Jobs

Vier Jahre Kriegsfolgen treffen Produktion und Jobs

Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 erlebt die deutsche Industrie einen tiefgreifenden Strukturwandel. Besonders energieintensive Branchen treffen hart. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes brach die Produktion in Chemie, Metallerzeugung, Glas und Papier um 15,2 Prozent ein. Das lag deutlich über dem Branchendurchschnitt. In