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Vier Jahre Kriegsfolgen treffen Produktion und Jobs

Photo by Levi Meir Clancy / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 erlebt die deutsche Industrie einen tiefgreifenden Strukturwandel. Besonders energieintensive Branchen treffen hart. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes brach die Produktion in Chemie, Metallerzeugung, Glas und Papier um 15,2 Prozent ein. Das lag deutlich über dem Branchendurchschnitt. In derselben Zeit sank die Gesamtproduktion der Industrie um 9,5 Prozent.

Dramatische Jobverluste in klassischen Industrien

Der Produktionsrückgang geht mit deutlichen Personalabbauten einher. Im März 2026 arbeiteten in den energieintensiven Branchen noch 794.400 Menschen. Das sind 53.300 Stellen weniger als im Februar 2022. Das entspricht einem Rückgang von 6,3 Prozent in vier Jahren. Die Papierindustrie verzeichnete den stärksten Arbeitsplatzverlust mit minus 8,6 Prozent. Die Metallerzeugung und -bearbeitung verloren 7,1 Prozent der Beschäftigten. Diese Branchen sind wichtig für viele mittelständische Zulieferer und Betriebe. Der Abbau zeigt, dass es sich nicht um vorübergehende Anpassungen handelt, sondern um strukturelle Verschiebungen in der Wirtschaft.

Der Energieverbrauch verdeutlicht das Ausmaß

Ein Blick auf den Energieverbrauch macht die Dimension des Problems deutlich. Im Jahr 2024 entfielen drei Viertel des Energiebedarfs der Industrie auf die energieintensiven Branchen. Die Chemieindustrie trug fast 28 Prozent zum industriellen Energieverbrauch bei, gefolgt von der Metallerzeugung mit rund 24 Prozent. Diese hohen Bedarfslagen lassen sich mit den gestiegenen Preisen für Erdgas, Kohle und Strom wirtschaftlich kaum noch bewältigen.

Mineralölverarbeitung als unerwartet starker Gewinner

Es gibt eine bemerkenswerte Ausnahme. Die Mineralölverarbeitung ist der einzige energieintensive Zweig, der wächst. Die Produktion stieg um 24,6 Prozent. Es entstanden 1.000 neue Arbeitsplätze. Der Aufschwung zeigt sich vor allem seit Januar 2026 und widerspricht dem düsteren Gesamtbild. Der Bereich wird jedoch von anderen Faktoren getrieben als die übrigen energieintensiven Branchen.

Was bedeutet das für den Mittelstand?

Für technische Entscheider im Mittelstand ist diese Entwicklung ein Alarmsignal. Wer auf Großkunden in den betroffenen Branchen angewiesen ist, spürt die Schrumpfung direkt. Gleichzeitig steigt der Druck, Energiekosten zu senken. Die langfristige Lösung liegt nicht nur in Energieeinsparungen. Sie besteht auch in der Umstellung auf erneuerbare Energien und effizientere Produktionsprozesse. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie eine stabilere Stromversorgung sollten als Chance für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit gesehen werden.

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