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Comeback der KfW-55-Förderung: Chance für stockende Wohnprojekte

Die Bundesregierung belebt nach fast vier Jahren die Förderung für Neubauten im Effizienzhaus-Standard 55 wieder und stellt dafür 800 Millionen Euro bereit. Gefördert werden ausschließlich Wohngebäude mit bereits vorliegender Baugenehmigung, die erneuerbare Energien nutzen, etwa per Wärmepumpe. Öl- und Gasheizungen sowie Hybridsysteme sind ausgeschlossen. Unterstützt werden noch nicht begonnene genehmigte Projekte sowie der Ersterwerb fertiger Effizienzhaus-55-Wohnungen. Neu genehmigte Vorhaben sind derzeit nicht förderfähig.

Die KfW vergibt zinsgünstige Kredite von bis zu 100.000 Euro je Wohneinheit, mit Laufzeiten bis zu 35 Jahren und maximal zehn Jahren Zinsbindung. Die Zinssätze liegen deutlich unter Marktniveau und können die Wirtschaftlichkeit gerade größerer Vorhaben spürbar verbessern. Voraussetzung ist, dass die Förderung vor Baubeginn bewilligt wird. Da die Mittel nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, wird bedient“ vergeben werden und der Andrang bereits hoch ist, raten Experten zu schneller Antragstellung. Für 2026 fordert die Branche zwar höhere Förderbudgets, doch auch eine Aufstockung würde die strukturellen Probleme des Wohnungsbaus nur begrenzt lösen. Für mittelständische Bauträger mit genehmigten Projekten bleibt das Programm dennoch ein wichtiger Hebel, um Bauüberhänge abzubauen und Finanzierungskosten zu senken.

Chinas Rekordexporte verschärfen Konkurrenz für den Mittelstand

China erzielt 2025 einen Rekord-Handelsüberschuss. Die Exporte steigen um 5,5 Prozent auf rund 3,8 Billionen US-Dollar, während die Importe weitgehend stagnieren. Der Zollkonflikt mit den USA bremst zwar das Geschäft mit den Vereinigten Staaten, doch China lenkt seine Ausfuhren verstärkt nach Europa, Asien und Afrika um. Die Lieferungen nach Deutschland wachsen um gut zehn Prozent, während die Importe aus Deutschland leicht zurückgehen. Vor allem entlang der Neuen Seidenstraße nimmt der Handel kräftig zu, was den Wettbewerbsdruck in vielen Drittstaaten erhöht. Mittelständler mit Engagements in diesen Märkten sehen sich zunehmend chinesischen Anbietern gegenüber, die über Preis und Volumen angreifen.

Besonders dynamisch entwickelt sich der Export von High-Tech-Produkten, der um mehr als 13 Prozent zulegt. China dringt damit tiefer in anspruchsvolle Technologiefelder vor, in denen viele deutsche Mittelständler bislang stark positioniert sind. Gleichzeitig bleibt die Binnennachfrage in China schwach, Importe wachsen nur verhalten. Das schränkt Absatzchancen europäischer Anbieter im chinesischen Markt ein. Hinter den Rekorden stehen strukturelle Risiken wie Überkapazitäten und eine wachsende Abhängigkeit vom Export. Für den deutschen Mittelstand bedeutet das schärferen Preiskampf, vor allem in Technologie- und Investitionsgütermärkten. Strategische Antworten liegen in Spezialisierung, Innovation und Serviceangeboten, um sich vom rein preisgetriebenen Wettbewerb abzugrenzen.

Österreich senkt Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel

Österreich reagiert auf seine im EU-Vergleich hohe Inflation mit einem Entlastungspaket für Verbraucher. Ab 1. Juli 2026 soll die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel auf knapp fünf Prozent halbiert werden. Flankiert wird die Steuersenkung durch eine schärfere Marktaufsicht. Die Wettbewerbsbehörde soll kontrollieren, ob Händler die Entlastung tatsächlich an Kunden weitergeben und Margen nicht still erhöhen. Ergänzend plant die Regierung neue Gebühren auf Waren aus Drittstaaten, eine Abgabe auf nicht recycelbares Plastik sowie Entlastungen beim Strompreis über einen speziellen Österreich-Tarif. Ziel ist, Kaufkraft zu sichern und die Teuerung zu dämpfen.

Deutschland hat bereits den Mehrwertsteuersatz auf Speisen in der Gastronomie dauerhaft auf sieben Prozent gesenkt. Die Regelung umfasst alle zubereiteten Speisen vor Ort, zum Mitnehmen oder geliefert. Getränke bleiben bei 19 Prozent. Für mittelständische Gastronomiebetriebe reduziert die Vereinheitlichung der Steuersätze den Verwaltungsaufwand, die Weitergabe der Steuerentlastung an Gäste ist jedoch freiwillig. Die österreichische Initiative könnte den Druck auf Berlin erhöhen, auch Grundnahrungsmittel im Einzelhandel stärker in den Blick zu nehmen. Spätestens rund um die Grüne Woche dürfte die Debatte an Fahrt gewinnen.

Fertiggerichte: Wachstumsmarkt mit neuen Chancen für den Mittelstand

Die Produktion von Fertiggerichten in Deutschland ist seit 2019 um rund 26 Prozent auf 1,7 Millionen Tonnen gestiegen. Der Produktionswert liegt bei 5,9 Milliarden Euro und macht den Bereich auch wirtschaftlich relevanter. Besonders stark wachsen Nudel- und Fleischgerichte, während Gemüsegerichte moderat zulegen und Fischfertiggerichte rückläufig sind. Für mittelständische Hersteller, Verarbeiter und Zulieferer entstehen neue Absatzchancen, vor allem dort, wo Sortimente und Rezepturen eng an die sich wandelnden Vorlieben der Verbraucher angepasst werden.

Beim Zeitaufwand in den privaten Küchen zeigt sich dagegen kaum Veränderung. Menschen ab zehn Jahren kochen im Schnitt 41 Minuten pro Tag und damit nur eine Minute mehr als vor zehn Jahren. Fertiggerichte ersetzen die Frischküche also nicht, sie ergänzen sie. Gleichzeitig sinkt der zeitliche Abstand bei der Hausarbeit zwischen Frauen und Männern. 2025 setzt sich das Wachstum fort, der Umsatz mit Fertiggerichten lag in den ersten drei Quartalen bei 4,5 Milliarden Euro. Das stützt Investitionen in Automatisierung, Qualitätskontrolle und moderne Logistik, von denen vor allem spezialisierte mittelständische Zulieferer profitieren können.

Gewerbesteuer: Kommunen zwischen Haushaltsloch und Standortwettbewerb

Viele Städte und Gemeinden stehen ab 2026 vor massiven Haushaltslücken von insgesamt rund 32 Milliarden Euro. Die Gewerbesteuer ist ihre wichtigste eigene Einnahmequelle, doch die Hebesätze unterscheiden sich stark. Im Bundesdurchschnitt liegen sie bei rund 438 Prozent, tatsächlich reicht die Spanne von etwa 338 Prozent in Bayern bis zu 460 Prozent in Bremen oder über 480 Prozent in Teilen Hessens. Metropolen wie München, Hamburg, Frankfurt und Berlin erzielen trotz teils hoher oder mittlerer Sätze die größten Einnahmen, weil sie besonders viele und ertragsstarke Unternehmen anziehen. Bundesweit werden die Erträge der Gewerbesteuer für 2026 auf etwa 77,9 Milliarden Euro geschätzt.

Die Haushaltsnot vieler Kommunen erhöht den Druck, die Hebesätze weiter anzuheben. Fachleute warnen jedoch vor einem Teufelskreis: Höhere Steuern können Unternehmen in Regionen mit niedrigeren Sätzen abwandern lassen, was die Einnahmen zusätzlich schwächt. Kommunalverbände fordern deshalb eine strukturelle Neuordnung der Finanzbeziehungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden statt immer neuer Hebesatzerhöhungen. Für mittelständische Betriebe wird die genaue Prüfung lokaler Gewerbesteuerhebesätze bei Expansion und Standortwechsel damit zu einem entscheidenden Kostenfaktor, der je nach Ertragslage schnell in die Größenordnung von mehreren Tausend bis Hunderttausend Euro pro Jahr reichen kann.

Quellen

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