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Arbeitsmarkt auf 15-Jahres-Tief: Mittelstand wartet auf Investitionsschub
Zum Jahresende 2025 ist die Lage am Arbeitsmarkt so angespannt wie seit 15 Jahren nicht mehr. Bundesweit sind 2,9 Millionen Menschen arbeitslos, die Quote liegt bei 6,2 Prozent. Besonders betroffen ist Baden-Württemberg mit dem höchsten Jahresdurchschnitt seit 2006, viel Kurzarbeit und geringer Nachfrage nach neuen Beschäftigten. Auch andere Regionen wie der Raum Reutlingen melden steigende Zahlen, befeuert durch konjunkturelle Schwäche, Unsicherheit in den Unternehmen und saisonale Effekte im Winter.
Dennoch rechnen Experten 2026 eher mit einer Stabilisierung als mit einer weiteren Verschlechterung. Hoffnungsträger ist das angekündigte Investitionspaket der Bundesregierung, das über Infrastruktur und andere Projekte neue Impulse setzen soll, voraussichtlich aber erst in der zweiten Jahreshälfte wirkt. Für technische Entscheider im Mittelstand bedeutet das: Investitionen und Personalplanung bleiben eine Gratwanderung. Sie müssen Kostenrisiken begrenzen, gleichzeitig aber Schlüsselkräfte im Unternehmen halten, um bei anziehender Nachfrage schnell handlungsfähig zu sein.
Ikea startet tiefgreifende Transformation mit neuer Führung
Ikea erlebt die größte Umstrukturierung seiner Geschichte. Seit Januar 2026 gilt eine neue Organisationsstruktur, erstmals stehen zwei Nicht-Schweden an der Spitze zentraler Konzerneinheiten. Auslöser sind stagnierende Umsätze, ein Gewinneinbruch von 26 Prozent beim Franchisegeber Inter Ikea sowie härterer Wettbewerb durch Online-Plattformen wie Amazon, Wayfair, Temu und Shein. Zugleich verteuern sich Holz und andere Rohstoffe deutlich, weil Lieferanten aus Russland und Belarus ausfallen und europäische Länder den Holzeinschlag reduzieren. Marktstudien erwarten Preisaufschläge von bis zu zehn Prozent bei bestimmten Holzarten. Das erhöht die Kosten und macht die Beschaffung unsicherer.
Der Konzern reagiert mit einer klareren Fokussierung auf das Kerngeschäft und ein Omnichannel-Modell. Große Häuser werden zu kombinierten Showroom- und Logistikstandorten umgebaut, die Onlinedienste ausgebaut und mit „Lada“-Märkten in mittelgroßen Städten neue Filialformate getestet. Parallel sichert sich Ikea durch Waldkäufe in Lettland und Estland langfristig Holzressourcen und kontrolliert inzwischen über 330.000 Hektar Forstflächen. Die stiftungsgetragene, wenig verschuldete Struktur ohne Dividendendruck verschafft dem Unternehmen Spielraum für diese langfristigen Investitionen. Experten sehen darin einen wichtigen Vorteil gegenüber stärker renditegetriebenen Wettbewerbern.
CO2-Preis 2026: Höhere Energiekosten und weniger Planungssicherheit
Seit 2026 gilt für Brenn- und Kraftstoffe erstmals ein flexibler CO2-Preis zwischen 55 und 65 Euro je Tonne, der sich über Versteigerungen am Markt bildet. Das erhöht die Unsicherheit bei den Energiekosten. Für Unternehmen verteuern sich Benzin und Diesel um mehrere Cent pro Liter, bei Erdgas und Heizöl steigen die CO2-Kosten je Kilowattstunde beziehungsweise Liter spürbar. Betriebe mit Fuhrparks und größeren Gebäuden müssen je Standort mit einigen hundert Euro Mehrbelastung pro Jahr rechnen.
Die Bundesregierung stellt zwar milliardenschwere Entlastungen in Aussicht und finanziert über den Klima- und Transformationsfonds klimafreundliche Technologien. 2027 bleibt der CO2-Preis gedeckelt, ab 2028 geht Deutschland aber im ETS II vollständig in den europäischen Emissionshandel über. Experten erwarten bis 2030 einen CO2-Preis von deutlich über 100 Euro je Tonne. Für den Mittelstand wird damit zur strategischen Frage, ob jetzt in Wärmepumpen, Elektromobilität und eigene erneuerbare Erzeugung investiert wird oder später deutlich höhere laufende Energiekosten in Kauf genommen werden.
Bosch: Gewinneinbruch zwingt zu massivem Stellenabbau
Bosch verfehlt seine Gewinnziele deutlich. 2024 sank der Gewinn vor Steuern um fast ein Drittel auf rund 2,7 Milliarden Euro bei etwa 90 Milliarden Euro Umsatz. Gründe sind vor allem die schwache Automobilkonjunktur als Kernmarkt, höhere Zölle und Handelshemmnisse sowie schärferer Wettbewerb bei Konsumprodukten wie Hausgeräten und Elektrowerkzeugen. Sinkende Zahlungsbereitschaft der Kunden drückt die Margen zusätzlich. Der geplante sozialverträgliche Stellenabbau belastet das Ergebnis ebenfalls.
Bis 2026 will Bosch weltweit rund 29.000 Arbeitsplätze streichen, davon etwa 22.000 in Deutschland, vor allem im Zulieferbereich. Das Management verhandelt mit Arbeitnehmervertretern an mehreren Standorten. Vorstandschef Stefan Hartung erwartet frühestens 2027 wieder eine Zielrendite von sieben Prozent, rechnet aber 2025 nur mit einem moderaten Umsatzplus von ein bis drei Prozent. Im Interview fordert er zugleich politische Reformen, vor allem flexiblere Arbeitszeiten, um im Wettbewerb mit Standorten wie China bestehen zu können und die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern.
Elektroautos: EU-Markt zahlt deutlich höhere Preise als China
Elektroautos sind in Deutschland im Schnitt fast 50 Prozent teurer als in China. Laut einer Analyse des Center Automotive Research kosten vergleichbare Modelle hierzulande im Mittel gut 43.000 Euro, in China rund 30.000 Euro. Die Berechnung erfolgte ohne Mehrwertsteuer und Rabatte. Besonders groß ist der Aufschlag bei chinesischen Marken. Fahrzeuge, die in China etwa 15.000 Euro kosten, werden in Deutschland für rund 32.500 Euro angeboten. Tesla verlangt in Deutschland im Schnitt 23 Prozent mehr, europäische Hersteller rund 28 Prozent.
Hauptgrund für das Preisgefälle ist der deutlich intensivere Wettbewerb in China. Dort wurden im vergangenen Jahr etwa zehn Millionen Elektroautos produziert. Hohe Stückzahlen und Preiskämpfe drücken die Kosten. Hersteller wie BYD haben große Kapazitäten aufgebaut und stehen unter Verkaufsdruck. Für Europa erwarten Experten mittelfristig sinkende Preise. Zölle und hohe Vertriebsaufwände verzögern diesen Prozess jedoch. Deutsche und europäische Hersteller reagieren mit speziellen China-Modellen, dortiger Fertigung und der Entwicklung günstiger Einstiegsmodelle wie Renault Twingo Electric und einem geplanten VW ID Polo für unter 25.000 Euro.
Sabic zieht sich aus Europa zurück, deutsche Investoren übernehmen Werke
Sabic verkauft seine europäischen Chemiewerke für insgesamt 950 Millionen Dollar an zwei deutsche Investoren. Betroffen sind Petrochemie- und Kunststoffanlagen in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Großbritannien mit rund 1.900 Beschäftigten. Die Münchener Industrieholding Aequita übernimmt das Petrochemiegeschäft mit vier Standorten und einem Umsatz von zuletzt 3,5 Milliarden Dollar. Aequita will die Sabic-Anlagen mit kürzlich erworbenen Werken von Lyondell-Basell bündeln und so einen Verbund mit rund 7 Milliarden Dollar Jahresumsatz schaffen. Der Finanzinvestor Mutares kauft parallel das Geschäft mit technischen Kunststoffen in Europa und Amerika mit einem Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar und baut damit ein neues Segment für Chemikalien und Materialien auf.
Sabic begründet den Rückzug mit schwacher Nachfrage und hohen Energiepreisen in Europa. Der Konzern will sich auf den Heimatmarkt am Persischen Golf und auf Asien konzentrieren, wo die Chemiebranche noch wächst. Auffällig ist, dass keine großen Chemiekonzerne als Käufer auftreten. Stattdessen steigen Finanzinvestoren und Restrukturierungsspezialisten ein, die auf Konzernabspaltungen und Unternehmen mit hohem Transformationsbedarf spezialisiert sind. Sie hoffen, durch Konsolidierung und Effizienzprogramme Wert zu schaffen. Der Abschluss der Transaktionen wird für das zweite Halbjahr 2026 erwartet.
Bahn und GDL verhandeln unter zweimonatiger Streikpause
Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer haben in Berlin ihre Tarifverhandlungen aufgenommen. Bis Ende Februar gilt eine Friedenspflicht, Streiks sind in dieser Zeit ausgeschlossen. Die erste Runde verlief sachlich, blieb aber ohne Ergebnis. Ein konkretes Angebot der Bahn lag noch nicht auf dem Tisch. Die GDL fordert für rund 10.000 Beschäftigte acht Prozent mehr Geld innerhalb eines Jahres, davon 3,8 Prozent als direkte Gehaltserhöhung. Weitere Verbesserungen will sie über neue Entgeltstrukturen erreichen, etwa eine zusätzliche Lohngruppe sowie höhere Vergütungen für Ausbilder und Prüfer. Zudem verlangt sie Fahrtkostenerstattung und höhere Mietzuschüsse. Geplant sind bis Ende Februar 14 Verhandlungstage, die nächste Runde findet am 22. Januar statt.
Es ist die erste Tarifrunde unter dem neuen GDL-Chef Mario Reiß, der einen kooperativeren, aber bei Bedarf weiterhin konfrontativen Kurs ankündigt. Aus Sicht der GDL sollen Bahnbeschäftigte finanziell wieder stärker in der Mittelschicht verankert werden und eine verlässlichere Altersvorsorge erhalten. Die Bahn zeigt sich verhandlungsbereit und verweist zugleich auf die wirtschaftliche Lage und den anstehenden Umbau unter der neuen Konzernchefin Evelyn Palla. Der Konflikt hat Signalwirkung über die Branche hinaus, da die lange Friedenspflicht und der enge Verhandlungskalender als Modell für sozialpartnerschaftliche Lösungen gelten. Scheitern die Gespräche, sind ab März Arbeitskämpfe möglich, alternativ steht ein Schlichtungsverfahren im Raum.
Zalando strafft Logistiknetz – Erfurt vor dem Aus
Zalando schließt Ende September 2026 sein Logistikzentrum in Erfurt und ordnet sein europaweites Netzwerk neu. Von der Stilllegung des seit 2012 bestehenden Standorts sind rund 2.700 Beschäftigte betroffen. Hintergrund ist die Integration der Logistik von About You, das Zalando im Vorjahr übernommen hat. Der Modehändler bündelt Kapazitäten, verzichtet auf mehrere externe Standorte im Ausland und setzt künftig auf 14 Logistikzentren in sieben Ländern. Das Management verspricht sich davon Effizienzgewinne sowie einen zusätzlichen operativen Gewinn von rund 100 Millionen Euro pro Jahr.
Die Region Ostdeutschland verliert mit Erfurt den einzigen konzerneigenen Zalando-Standort dieser Größenordnung. Weitere große Verteilzentren liegen in Gießen, Lahr im Schwarzwald und Mönchengladbach. Zalando positioniert seine Logistik als integrierte Infrastruktur für das Endkundengeschäft und das Firmenkundengeschäft, etwa über den Logistikzugang Zeos und die Shop-Software Scayle von About You. Für die Beschäftigten kündigt das Unternehmen Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan an. Es bietet Versetzungen an andere Standorte, insbesondere nach Gießen, an und prüft eine Transfergesellschaft. Der Betrieb in Erfurt läuft bis zur Schließung regulär weiter.
Deutsche Industrie startet 2026 mit Sparprogrammen und Stellenabbau
Die deutsche Wirtschaft geht mit klarer Zurückhaltung ins Jahr 2026. Das Beschäftigungsbarometer des Ifo-Instituts ist auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020 gefallen. Rund ein Drittel der Unternehmen plant den Abbau von Arbeitsplätzen, in der Industrie sogar 41 Prozent. Nur 18 Prozent wollen neue Stellen schaffen. Drei Viertel der Firmen rechnen damit, 2026 nicht mehr zu produzieren als im Vorjahr. Besonders betroffen sind Automobilhersteller und Zulieferer. Konzerne wie Mercedes-Benz, Porsche, Bosch, ZF Friedrichshafen, Mahle und Daimler Truck fahren milliardenschwere Sparprogramme und streichen teils zehntausende Stellen, vor allem in Deutschland.
Der Druck reicht weit in Mittelstand und Maschinenbau hinein. Unternehmen wie Voith und Trumpf bauen ebenfalls signifikant Personal ab. Experten sehen die Ursachen in einer Kombination aus hohen Energiepreisen, steigenden Sozialabgaben, wachsender Bürokratie, geopolitischen Risiken, schwacher Nachfrage aus China und US-Zöllen. Die Investitionsbereitschaft bleibt gering. Nur 23 Prozent der Firmen wollen 2026 mehr investieren, ein Drittel plant Kürzungen. Nahezu alle Industriezweige setzen den Stellenabbau fort, auch Dienstleister und Handel agieren vorsichtig. Lediglich Tourismusbranche und Unternehmensberatungen melden wachsenden Personalbedarf.
Quellen
https://taz.de/Wohnungen-in-Deutschland-werden-kleiner/!6143675/
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/wohnung-flaeche-entwicklung-100.html
https://www.mein-eigenheim.de/heizen/gaspreisentwicklung.html
https://www.thermondo.de/info/rat/waermepumpe/heizung-aenderungen-2026/
https://www.polarstern-energie.de/magazin/artikel/co2-bepreisung-nach-heizsystem/
https://www.schwaebisch-hall.de/ratgeber/pflichten-und-regelungen/co2-steuer.html
https://www.adac.de/rund-ums-haus/energie/spartipps/co2-preis-oel-gas/
https://www.deutschlandfunk.de/mehr-arbeitslose-im-dezember-110.html
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/arbeitsmarkt-ausblick-2026-100.html
https://www.ingka.com/newsroom/ingka-group-strengthens-retail-focus-with-new-organisation/
https://www.polarstern-energie.de/magazin/artikel/co2-bepreisung-nach-heizsystem/
https://www.riffreporter.de/de/umwelt/co2-preise-emissionshandel-klimaschutz-ets2-2026
https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/kfz-steuer/co2-steuer/
https://www.adac.de/rund-ums-haus/energie/spartipps/co2-preis-oel-gas/
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/co2-preis-heizkosten-verkehr-100.html
https://www.apfeltalk.de/magazin/news/elektroautos-in-deutschland-deutlich-teurer-als-in-china/
https://www.elektroauto-news.net/news/2026-jahr-eautos-unter-25000-euro
https://www.blick.ch/auto/warum-e-autos-in-europa-doppelt-so-teuer-wie-in-china-sind-id21441398.html
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/elektroautos-preise-100.html
https://www.deutschebahn.com/de/presse/suche_Medienpakete/Alle-Infos-zur-Tarifrunde-13241860
https://taz.de/Tarifverhandlungen-bei-der-Deutschen-Bahn-Zuerst-keine-Streiks/!6143842/
https://bahnblogstelle.com/246069/erste-tarifrunde-zwischen-bahn-und-gdl-ohne-ergebnis/
https://www.zdfheute.de/wirtschaft/bahn-gdl-tarif-verhandlung-ohne-streik-100.html
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/bahn-tarifrunde-verhandlungen-gdl-100.html
https://de.tradingeconomics.com/germany/government-bond-yield/news/511115
https://www.iamexpat.de/expat-info/germany-news/2026-germany-all-changes-you-need-know-about
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/549896/rentenpaket-ii-das-soll-die-reform-bringen/
https://intergenerationaljustice.org/2025/12/11/the-gerontocracy-strikes-again/
https://upvest.co/blog/lead-germanys-pension-reform
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/mode-zalando-werkschliessung-erfurt-100.html
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/industrieauftraege-zeichen-positiv-100.html
https://www.foodwatch.org/at/nestle-rueckruf-babymilch
https://www.spektrum.de/news/sturmtief-elli-brisante-wetterlage-im-anmarsch/2303967
https://www.youtube.com/watch?v=g9kNIyRgKGw
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/rechte-pflichten-schneechaos-100.html
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-902962
https://www.youtube.com/watch?v=fpTEkA6I7CE
https://www.unternehmeredition.de/2026-droht-weiterer-stellenabbau-in-der-wirtschaft/
