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SBB vergibt Milliardenauftrag an Siemens

Photo by Fabio Romano / Unsplash

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Die Schweizerischen Bundesbahnen, kurz SBB, haben einen der größten Aufträge ihrer Geschichte vergeben. Der Auftrag beläuft sich auf rund zwei Milliarden Franken. Siemens Mobility aus Deutschland wird 116 Doppelstockzüge liefern. Die Züge sind für die S-Bahn-Verbindungen in Zürich und der Westschweiz vorgesehen. Die Zuschlagserteilung ging überraschend an Siemens statt an Stadler Rail. Die Entscheidung löste in der Schweiz heftige Debatten über Protektionismus und die Regeln öffentlicher Ausschreibungen aus. Für mittelständische Zulieferer in der Bahnbranche, die international tätig sind, bietet der Fall wichtige Lernpunkte für die Vorbereitung auf komplexe Beschaffungsverfahren.

Warum Schweizer Firmen keine Sonderbehandlung erhalten

Das Beschaffungsrecht der Schweiz verlangt eine faire Vergabe nach klar definierten Kriterien.Relevant sind Preis, Qualität, Nachhaltigkeit und Referenzprojekte. Die Herkunft eines Unternehmens zählt nicht. Experten weisen darauf hin, dass die Schweiz wegen ihrer internationalen Verpflichtungen, etwa der WTO, keine protektionistischen Maßnahmen wie einen Inländer-Bonus einführen darf. Würde das Land von diesen Regeln abweichen, drohen Vergeltungsmaßnahmen anderer Staaten und Nachteile bei Auslandgeschäften. Für mittelständische Zulieferer bedeutet dies: Bei grenzüberschreitenden Ausschreibungen zählt ausschließlich die Fähigkeit zur Erfüllung der Anforderungen – der Firmensitz spielt keine Rolle.

Politische Forderungen treffen auf rechtliche Grenzen

Trotz der klaren Rechtslage kritisierten Schweizer Politiker den Zuschlag an Siemens scharf. Einige forderten, künftig stärker auf Schweizer Unternehmen zu setzen, um Arbeitsplätze im Inland zu sichern. Rechtsexperten warnen jedoch, dass ein Kurswechsel rechtswidrig wäre und langfristig Schaden verursachen könnte. Stadler profitiert bereits von fairen Ausschreibungen; jüngst gewann der Konzern einen Auftrag für Hybridlokomotiven in Luxemburg. Für deutsche Mittelständler zeigt der Fall: Internationale Märkte lassen sich nicht durch politischen Druck erschließen. Stattdessen sollten Unternehmen ihre Angebote gezielt auf die Kriterien der Ausschreibung ausrichten, zum Beispiel durch innovative Lösungen oder Nachhaltigkeitskonzepte.

Wie sich Zulieferer auf globale Ausschreibungen vorbereiten können

Der Erfolg von Siemens verdeutlicht, dass moderne Beschaffungsverfahren ganzheitliche Bewertungen bevorzugen. Neben dem Preis spielen Lebenszykluskosten, Energieeffizienz, Wartungskosten und soziale Standards eine entscheidende Rolle. Mittelständische Unternehmen sollten frühzeitig die Anforderungen potenzieller Kunden analysieren und ihre Stärken gezielt einbringen. Regionale Zulieferer können durch Partnerschaften mit lokalen Partnern in Zielmärkten punkten oder sich auf international gefragte Nischen spezialisieren. Gleichzeitig gilt es, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu verstehen – etwa durch enge Abstimmung mit Fachanwälten für öffentliches Beschaffungsrecht. Wer hier investiert, erhöht seine Chancen, auch bei Großprojekten berücksichtigt zu werden.

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