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Der Verfassungsschutz warnt vor zunehmenden Bemühungen Russlands, hochmoderne Technologien aus Deutschland zu beschaffen. Ziel ist die Aufrüstung des russischen Militärs. Staatliche Nachrichtendienste arbeiten mit verdeckten Beschaffungskanälen, um Sanktionen zu umgehen. Für deutsche Unternehmen steigt das Risiko von Spionage und illegalen Geschäftskontakten. Der Mittelstand ist besonders bedroht.
Lage und Vorgehen
Der 48 Seiten umfassende Verfassungsschutzbericht macht die Ernsthaftigkeit deutlich. Russen versuchen gezielt, über Umgehungen der Exportkontrollen an Hochtechnologie zu gelangen. Im Fokus stehen Werkzeugmaschinen und Mikroelektronik. Um ihre Absichten zu verschleiern, beziehen russische Nachrichtendienste die Beschaffung direkt ein. Es handelt sich nicht um gescheiterte Privatgeschäfte, sondern um staatlich organisierte Beschaffungskriminalität mit militärischem Hintergrund.
Gefährdung des Mittelstands
Besonders gefährdet ist der Mittelstand. Die sogenannten Hidden Champions geraten ebenfalls ins Visier. Diese Unternehmen führen europäische oder globale Marktführerpositionen in bestimmten Technologiebereichen. Betroffen können Unternehmen jeder Größenordnung sein. Deutschlands starke Forschungslandschaft macht das Land zu einem Anziehungspunkt für Beschaffungsaktivitäten.
Auslandseinflüsse
Nicht nur Russland beschäftigt sich mit deutscher Technologie. China, Iran, Nordkorea und Pakistan zeigen ebenfalls gesteigertes Interesse. Die Beschaffungsbemühungen ausländischer Staaten sind zahlreich und professionell. In der Halbleiterindustrie nimmt die Spionage zu.
Politische Reaktionen
Politiker fordern entschlossenes Handeln. Marc Henrichmann von der CDU betont stärkere Exportkontrollen. Die Verzahnung von Exportkontrollen, Zoll und Strafverfolgung muss verbessert werden. Konstantin von Notz von den Grünen sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Die Warnungen des Verfassungsschutzes sollen als Weckruf dienen. Verbote müssen streng durchgesetzt werden.
Konsequenzen und Rechtslage
Unternehmen müssen EU-Sanktionen beachten. Verstöße können Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren nach sich ziehen. Die EU hat nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 Beschränkungen verhängt. Diese wurden im Oktober 2025 erneut verschärft.
Bedarf an Sensibilisierung
Marc Henrichmann bemängelt Defizite bei der Sensibilisierung. Viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind noch nicht ausreichend informiert. Der Mittelstand braucht mehr Beratungskapazitäten. Staat und Wirtschaft sollten enger zusammenarbeiten. Für besonders sensible Technologien sollten Sicherheitsprüfungen verpflichtend werden. Kleinere Unternehmen benötigen gezielte Unterstützung.
Praxis der Warnungen
Der Verfassungsschutz geht proaktiv auf Anbieter sensibler Technologien zu und warnt sie. Oft kommt der Kontakt jedoch zu spät, wenn bereits verdächtige Anfragen eingehen. Unternehmen sollten Kontakte prüfen, ungewöhnliche Bestellanfragen hinterfragen und verdächtige Aktivitäten melden.
Gefälschte Firmen und Lieferketten
Russische Nachrichtendienste arbeiten mit gefälschten europäischen Unternehmen zusammen, um Lieferketten zu infiltrieren. Mittelständler tun sich schwer, legitime von illegalen Kontakten zu unterscheiden. Deshalb sind verschärfte Know-your-Customer-Verfahren und gründliche Partnerprüfungen wichtig.
Hybride Kriegsführung
Der Verfassungsschutz sieht dies als Teil hybrider Kriegsführung. Der Krieg in der Ukraine hat den russischen Bedarf an Rüstungsgütern erhöht. Auch proliferationsrelevante Technologien sind gefragt. EU-Sanktionen erschweren diese Beschaffungen. Russland sucht daher auch unter dem Radar nach Wegen.
Handlungsempfehlungen für den Mittelstand
Technische Entscheider sollten Kundenbeziehungen prüfen. Auffällige Bestellmuster sind Warnsignale. Im Zweifel sollte man eine Anfrage ablehnen. So schützt man sich und stärkt Deutschlands Sicherheit.
