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Preisschock bei Seltenen Erden: Deutsche Autozulieferer suchen nach Wegen aus der China-Abhängigkeit

Photo by Viktor Forgacs / Unsplash

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Im dritten Quartal 2025 erhöhten sich die Preise für Seltene Erden erneut deutlich. Der Rohstoffpreisindex der vbw verzeichnete einen Anstieg von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Terbium und Gadolinium waren besonders betroffen: Ihre Kosten stiegen um 19 bzw. 17 Prozent. Die Entwicklung erhöht den Druck auf deutsche Zulieferer, die Elektromotoren und andere Schlüsselkomponenten aus Seltenen Erden beziehen. Die Automobilindustrie bleibt stark von chinesischen Lieferungen abhängig und steht vor großen Herausforderungen.

Chinas strategische Rohstoffpolitik bleibt prägend

Nach dem Treffen von Staatschef Xi Jinping mit US-Präsident Donald Trump wurden Exportbeschränkungen vorübergehend ausgesetzt. Die Kontrollen für schwere Seltene Erden gelten jedoch weiterhin. Diese Materialien sind unverzichtbar für Hochleistungsmagnete in E-Motoren. Experten schätzen, dass China rund 90 Prozent der weltweit benötigten Mengen verarbeitet. Europa bleibt deshalb insbesondere bei schweren Seltenerden abhängig. Die vbw warnt, dass Preissteigerungen kein kurzfristiges Phänomen sind, sondern eine strukturelle Verwundbarkeit der Industrie offenbaren. Bereits im zweiten Quartal stiegen die Preise um 8,9 Prozent. Der Trend setzt sich fort.

Kurzfristige Beschaffungsstrategien im Fokus

Für mittelständische Zulieferer mit geringerer Verhandlungsmacht wird die Situation zunehmend kritisch. Erste Unternehmen reagieren mit strategischen Lagerbeständen. Sie arbeiten stärker mit internationalen Partnern zusammen. Die jüngst unterzeichnete Vereinbarung zwischen den USA und Australien soll mindestens zwei Milliarden US-Dollar für die Förderung alternativer Lieferketten bereitstellen. Mittelfristig könnte sie Entlastung bringen. Thailand und Malaysia gewinnen an Bedeutung. Thailands Produktion stieg 2024 um 260 Prozent auf 13.000 Tonnen. Malaysia besitzt Schätzungen zufolge 16 Millionen Tonnen abbaubare Vorkommen. Kurzfristig bleiben jedoch alternative Beschaffungsquellen begrenzt. Neue Minenprojekte brauchen oft mehr als ein Jahrzehnt, um marktreif zu werden.

Recycling und Substitution als langfristige Lösung

Langfristig setzen Fachleute auf Recycling und auf neue Materialien. Die vbw betont, dass neben der Erschließung heimischer Rohstoffvorkommen in Europa auch Forschungsprojekte zur Reduzierung des Seltenerdeinsatzes wichtig sind. In Schweden und Grönland wurden zwar neue Lagerstätten entdeckt, doch bis zur kommerziellen Nutzung vergehen mehr als 15 Jahre. Gleichzeitig steigen die Preise für Edelmetalle wie Gold um 40 Prozent im Jahresvergleich. Dies signalisiert wachsende Unsicherheit an den Rohstoffmärkten. Unternehmen sollten die Lieferquellen diversifizieren und frühzeitig in Recyclingtechnologien investieren, um gebrauchte Magnete aus Elektrofahrzeugen zurückzugewinnen.

Fazit: Handlungsbedarf ist dringend

Die Preisentwicklung macht deutlich, dass strategische Rohstoffvorsorge systematisch in die Unternehmensplanung gehört. Politische Abkommen wie das US-amerikanisch-australische Bündnis sind ein erster Schritt. Mittelständische Betriebe sollten jetzt pragmatische Lösungen finden. Dazu gehören transparente Lieferketten, stärkere Zusammenarbeit mit europäischen Partnern und die Prüfung von Ersatzmaterialien. Wer jetzt handelt, kann künftige Versorgungslücken vermeiden.

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