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Nachdem das Kabinenpersonal vor drei Tagen in den Ausstand getreten war, hat die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit den Lufthansa-Konzern erneut lahmgelegt. Seit Montagfrüh um 00:01 Uhr streiken Piloten bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und CityLine; der Arbeitskampf läuft bis Dienstag um 23:59 Uhr. Der Streik bei Eurowings beschränkt sich auf den Montag. Die Gewerkschaft begründet das Vorgehen mit Forderungen zur betrieblichen Altersvorsorge; Tarifverhandlungen, vermittelt durch das Bundesministerium für Arbeit, blieben am 7. April ohne Ergebnis.
Massive Auswirkungen auf den Flugverkehr
Der Umfang der Beeinträchtigungen ist deutlich spürbar. Auf dem Frankfurter und dem Münchner Drehkreuz entfallen rund 60 Prozent der vorgesehenen Starts. An den Flughäfen Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln und Stuttgart kommt es zu deutlichen Fahrplanverkürzungen. Lufthansa kündigt einen Sonderflugplan an, der etwa jeden dritten Kurzstreckenflug und jeden zweiten Langstreckenflug umfasst. Eurowings fliegt nur noch rund 60 Prozent der Verbindungen. Ausnahmen gelten für einige Langstreckenverbindungen in den Nahen Osten, die das Cockpit-Personal aus Sicherheitsgründen freigestellt hat. Verbindungen nach Nordamerika sowie in den asiatisch-pazifischen Raum fallen größtenteils aus.
Besonders ungünstig für Geschäftsreisende
Der Zeitpunkt trifft Unternehmensentscheider besonders hart. Die Woche ab dem 13. April markiert den Start persönlicher Vorstandssitzungen nach den Osterferien für viele DAX-40-Unternehmen. Reisende, die kurzfristig umbuchen müssen, rechnen mit zusätzlichen Kosten von rund 420 Euro im Durchschnitt. Branchenverbände raten Unternehmen dazu, Notfallpläne zu aktivieren und Alternativen per Bahn zu prüfen, besonders auf Inlandsstrecken. Wichtig: Nach EU261-Regeln gelten Streiks nicht automatisch als höhere Gewalt. Fluggäste bei Ausfällen weniger als 14 Tage vor dem Termin können bis zu 600 Euro Entschädigung verlangen, sofern die Airline keine zeitnahe Alternative bietet.
Der Kern des Konflikts: Altersversorgung
Im Kern geht es um die Ausgestaltung der betrieblichen Altersvorsorge. Die Gewerkschaft fordert deutlich höhere Arbeitgeberbeiträge und kritisiert das kapitalmarktorientierte System, das 2017 das alte Modell ersetzt hat. Aus Sicht der Piloten reicht das Versorgungsniveau angesichts steigender Preise und veränderter Marktbedingungen nicht aus. Die Gewerkschaft fordert substanzielle Verbesserungen, um langfristige Sicherheit zu gewährleisten.
Lufthansa hat darauf mit einem neuen Angebot reagiert. Der Konzern schlägt vor, die bisherige Übergangsversorgung in die reguläre betriebliche Altersvorsorge zu überführen. Dadurch könnte sich die Betriebsrente aller Piloten um bis zu 50 Prozent erhöhen, ohne die Gesamtkosten zu erhöhen, so das Unternehmen. Gleichzeitig bezeichnet Lufthansa die Kernforderung der Gewerkschaft nach einer Verdopplung der Altersvorsorge als absurd und unerfüllbar und verweist darauf, dass die Piloten bereits überdurchschnittlich versorgt seien.
Die Gewerkschaft bleibt jedoch kritisch. Aus ihrer Sicht zeigt die Lufthansa-Geschäftsführung keine echte Verhandlungsbereitschaft. Die Vereinigung Cockpit hatte signalisiert, das neue Angebot prüfen zu wollen und ein Gespräch in der kommenden Woche zu führen. Bis dahin müssen Reisende und Unternehmen mit erheblichen Flugausfällen rechnen und mit Nachahmungseffekten auch in den folgenden Tagen rechnen.
