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Knapp ein Jahr nach dem Start der elektronischen Patientenakte zeichnet sich ein klares Bild der Probleme ab. Verbraucherschützer und Ärzte sehen unzureichende Funktionalität und mangelhafte Umsetzung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband zieht eine kritische Bilanz und fordert schnelle Verbesserungen. Das Potenzial der ePA ist erkannt, doch die Praxis bewegt sich deutlich langsamer als erwartet.
Geringe Akzeptanz bei Patienten und Ärzten
Nur wenige Versicherten nutzen die ePA aktiv. Laut Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums verwenden derzeit rund vier von 74 Millionen gesetzlich Versicherten die Akte. Mehr als 70 Prozent der Versicherten sehen keinen persönlichen Nutzen oder verwenden die ePA gar nicht. Markus Beier, Vorsitzender des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, nennt den Registrierungsprozess zu kompliziert. Selbst technisch versierte Nutzer brechen aus Frustration ab. Viele wissen zudem nicht, dass sie bereits eine ePA besitzen.
Infrastruktur-Probleme behindern den Betrieb
Für Praxen und Kliniken ist die Lage nicht besser. Ärzte beschreiben die ePA als ungeordnetes Sammelsurium von PDF-Dateien. Eine hilfreiche Volltextsuche fehlt. Mediziner müssen sich durch unzählige Dokumente arbeiten. Die Systeme sind in der Praxis kaum nutzbar.
Fehlende Funktionen und unklare Datenkontrolle
Die ePA startete ohne zentrale Funktionen, die Patienten erwarten. Digitale Impf- oder Bonushefte sind weiterhin nicht integriert. Wichtig ist die Kontrolle über die eigenen Daten. 68 Prozent der Befragten wünschen sich präzise Steuerungsmöglichkeiten darüber, wer Zugriff auf welche Daten erhält. Diese feingranularen Berechtigungen existieren derzeit nicht.
Zersplitterte Apps
Ein weiteres Hindernis ist die zersplitterte App-Landschaft. Jede Krankenkasse entwickelt eine eigene ePA-App. Das verwirrt Versicherte und verursacht Ineffizienzen im System. Eine einheitliche Lösung würde Betreuung und Handhabung vereinfachen.
Seit Oktober Pflicht für Praxen
Seit dem 1. Oktober 2025 sind Praxen und Kliniken verpflichtet, wesentliche Daten wie Befunde und Laborwerte in die ePA einzustellen. Der Gedanke dahinter ist sinnvoll: Eine digitale Akte könnte Patienten über Jahre begleiten und zu besseren Behandlungsergebnissen beitragen. Ohne funktionierende Infrastruktur und praktikable Prozesse bleibt dieses Ziel jedoch unerreichbar.
Was sich ändern muss
Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert klare Prioritäten bei der Weiterentwicklung. Die Bedürfnisse der Patienten und Ärzte müssen im Mittelpunkt stehen, nicht rein administrative Vorgaben. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und die Krankenkassen sollen die technischen Grundlagen schaffen, damit sich Registrierungen reibungslos vollziehen lassen. Transparenz darüber, welche Institutionen Daten zu Forschungszwecken erhalten, ist erforderlich. Die Versicherten brauchen verlässliche und regelmäßige Informationen über die ePA.
