zum Inhalt

EU-Digitalpaket könnte Datenspenden für Forschung erschweren

Photo by Christian Lue / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Die Europäische Kommission hat im November 2025 ein umfassendes Digitalpaket vorgestellt. Es trägt den Namen Digitaler Omnibus. Ziel ist es, Regelungen zu Künstlicher Intelligenz, Datenrecht und Cybersicherheit zu straffen. Doppelregulierungen sollen abgebaut werden. Unternehmen sollen entlastet werden. Gleichzeitig drohen neue Nebenwirkungen. Experten warnen vor Einschränkungen bei freiwilligen Datenspenden für Forschung, falls die DSGVO geändert wird. Mittelständische Unternehmen, die oft mit Hochschulen kooperieren, könnten dadurch Wettbewerbsnachteile erleiden.

Datenspenden als Schlüssel für unabhängige Plattformforschung

Datenspenden sind wichtig für die Erforschung digitaler Plattformen. Große Tech-Konzerne geben ihre Daten selten frei. Nutzerinnen und Nutzer teilen freiwillig Nutzungserfahrungen oder Interaktionsdaten. So lassen sich Algorithmen von Netzwerken oder Suchmaschinen analysieren. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten unabhängig von den großen Unternehmen. Vertreter europäischer Universitäten befürchten, dass der Digitaler Omnibus das Auskunftsrecht so verändert, dass Nutzerdaten künftig nicht mehr für Forschungszwecke freigegeben werden dürfen. Betroffen wären Projekte zur Transparenz von KI-Systemen oder zur Wirkung von Plattformen auf die Gesellschaft. Ohne Zugang droht die europäische Forschung ins Hintertreffen zu geraten. Besonders im Vergleich zu US-Kollegen, die oft direkten Kontakt zu Tech-Unternehmen haben, könnte Europa zurückfallen.

Mittelstand braucht Daten für Innovation

Für kleine und mittlere Unternehmen ist die Situation besonders brisant. Viele Betriebe arbeiten mit Universitäten an datenbasierten Lösungen. Dazu gehören KI-gestützte Produktionsprozesse oder personalisierte Dienstleistungen. Wenn Datenspenden schwerer zu beschaffen sind, verliert man eine wichtige Quelle für Partnerschaften. Zudem soll die Anwendung von Regeln für risikobehaftete KI-Systeme um bis zu 16 Monate verschoben werden. Das gibt Unternehmen mehr Zeit für die Umsetzung. Gleichzeitig könnte die fehlende Datentransparenz die Entwicklung eigener KI-Lösungen verlangsamen. Unternehmen, die auf externe Daten angewiesen sind, könnten im globalen Wettbewerb zurückfallen.

Bürokratieabbau versus Schutzniveau

Die Kommission will das Rechtssystem vereinheitlichen und Kosten senken. Geplant ist ein zentraler Meldepunkt für Cybersicherheitsvorfälle. Vier Rechtsakte zum Datenrecht sollen im Data Act zusammengeführt werden. Kritiker warnen jedoch, dass die geplanten Änderungen am Datenschutz das Schutzniveau senken könnten. Umstritten ist die Beschränkung des Datenauskunftsrechts auf Fälle öffentlicher Notlagen. Vorhaben außerhalb dieser Kategorie könnten künftig keinen Zugang zu Daten erhalten. Der Deutsche Handwerkskammertag und andere Verbände mahnen, den Data Act nicht zu schwächen. Er sei für viele mittelständische Geschäftsmodelle entscheidend.

Nächste Schritte und Handlungsempfehlungen

Der Gesetzentwurf durchläuft das übliche EU-Verfahren. Rat und Parlament müssen sich im Trilog auf eine gemeinsame Linie einigen. Sozialdemokraten und Grüne im Parlament signalisieren Widerstand gegen eine Verwässerung des Datenschutzes. Unternehmen sollten die laufende Konsultation zum Digitalen Fitness-Check bis März 2026 nutzen, um Bedenken einzubringen. Gleichzeitig gilt es, alternative Datenquellen für Forschungskooperationen zu prüfen. Mögliche Optionen sind synthetische Daten oder eine engere Abstimmung mit öffentlichen Datenräumen. So lässt sich verhindern, dass europäische Innovationen hinter großen Tech-Konzernen zurückbleiben.

Gewinnen Sie neue Kunden über das Maschinen Journal
MJ Image

Das Maschinen Journal erreicht jeden Monat tausende Entscheider aus dem industriellen Mittelstand. Nutzen Sie unsere Reichweite, um Ihre Produkte genau dort zu platzieren, wo Kaufentscheidungen entstehen.

Sie wollen mehr Anfragen erzielen?

→ Jetzt Artikel anfragen

Aktuelles

Tagesthemen vom 10.03.2026

G7 prüfen Freigabe von Ölreserven als Reaktion auf Iran-Krieg Die G7-Staaten bereiten sich auf eine mögliche Freigabe ihrer strategischen Ölreserven vor. Auslöser sind der Krieg im Iran, die faktische Blockade der Straße von Hormus und Förderkürzungen in mehreren Golfstaaten. Der Rohölpreis ist binnen weniger Tage um rund 50 Prozent gestiegen

EU kehrt Kurs um: Atomkraft als zentrale Säule der Energieversorgung

EU kehrt Kurs um: Atomkraft als zentrale Säule der Energieversorgung

Die Europäische Union hat ihren Kurs bei der Stromversorgung deutlich geändert. Auf einem internationalen Gipfel zur Kernenergie Anfang März 2026 in Frankreich signalisierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine neue Richtung der europäischen Energiepolitik. Sie bezeichnete die Abkehr von der Atomkraft als strategischen Fehler und kündigte konkrete finanzielle Unterstützungen an.

Tagesthemen vom 09.03.2026

Rüstungs-IPO: Gabler Group startet an der Börse, Markt zieht an Die Gabler Group hat ihren Börsengang im Scale-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse erfolgreich abgeschlossen. Der erste Kurs lag mit 47,20 Euro über dem Emissionspreis von 44 Euro je Aktie und brachte dem auf Unterwasser- und Marinetechnologie spezialisierten Unternehmen rund 40