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Chemiebranche verzeichnet historischen Auftragsrückgang

Photo by Johannes Sieber / Unsplash

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Die deutsche Chemieindustrie erlebt die schwerste Krise seit mehr als drei Jahrzehnten. Der ifo-Auftragsindex fiel im Oktober auf minus 68,9 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit den frühen 1990er Jahren. Die Kapazitätsauslastung sank auf 71,7 Prozent und liegt deutlich unter der Schwelle von 80 Prozent, die als tragfähig gilt. Der Branchenverband VCI meldet, dass Produktion im zweiten Quartal um 3,8 Prozent zum Vorquartal und um 3,1 Prozent zum Vorjahr nachgab. Der Umsatz verringerte sich um 2,7 Prozent auf 52,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig gaben die Erzeugerpreise leicht nach.

Ursachen und Auswirkungen auf den Mittelstand

Hauptgründe für den Einbruch sind die schwache Nachfrage aus Schlüsselbranchen wie Automobilbau und Bauwirtschaft. Viele Industriekunden drosseln ihre Produktion und verschieben Bestellungen. Das trifft mittelständische Zulieferer besonders stark. Hohe Energie- und Rohstoffkosten belasten die Wettbewerbsfähigkeit, teils bedingt durch den Ukraine-Krieg. Branchenexperten weisen zudem auf eine zunehmende Regulierung hin, die Unternehmen zusätzlich hemmt. Der VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup spricht von einem Tod durch Bürokratie. Formulare und Nachweispflichten belasten Unternehmen stärker als hohe Energiepreise.

Lieferketten des Mittelstands unter Druck

Für den Mittelstand entstehen durch die Flaute erhebliche Risiken. Mehr als 30 Prozent der Chemieunternehmen melden Auftragsmangel, der sich über die gesamte Lieferkette fortsetzt. Mittelständische Zulieferer streichen Investitionen und reduzieren Personal, um Kosten zu senken. Gleichzeitig fehlt vielen Unternehmen der finanzielle Puffer, um neue Märkte oder Technologien zu erschließen. Besonders betroffen sind Betriebe, die stark von zyklischen Branchen wie der Automobilindustrie abhängen. Der Nachfrageschub oder -rückgang wirkt sich direkt auf Vorprodukte aus.

Ausblick und Forderungen

Keine Entspannung in Sicht. Der Verband hält an der Prognose für 2025 fest. Er rechnet mit einer stagnierenden Produktion und einem leichten Umsatzrückgang von einem Prozent auf 221 Milliarden Euro. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Internationale Absatzmärkte bleiben durch geopolitische Spannungen und Zölle belastet. Der VCI fordert konkrete Entlastungen von der Bundesregierung. Entscheidend sind niedrigere Energiekosten und Bürokratieabbau. Ohne strukturelle Verbesserungen warnen Experten vor einer fortschreitenden Deindustrialisierung. Mittelständische Unternehmen könnten dauerhaft vom Markt verdrängt werden.

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