zum Inhalt

Trumpf-Chefin fordert Streichung des Ostermontags zur Sicherung deutscher Industriearbeitsplätze

Photo by Haley Owens / Unsplash

Inhaltsverzeichnis

Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende des Lasertechnik-Unternehmens Trumpf, plädiert dafür, den Ostermontag als gesetzlichen Feiertag abzuschaffen, um den Industriestandort Deutschland zu stärken. Sie verweist auf die hohe Zahl von Feiertagen und Krankheitstagen hierzulande im Vergleich zu Polen, China oder den USA. Ihrer Ansicht nach hat sich die globale Arbeitswelt verändert. Deutschland müsse seine Produktivität erhöhen, um Industriearbeitsplätze langfristig zu sichern.

Historische Begründung und internationale Wettbewerbslage

Leibinger-Kammüller erinnert daran, dass der Ostermontag ursprünglich religiöse Prozessionen begleitete, die heute kaum noch stattfinden. Gleichzeitig arbeiten Arbeitnehmer in Deutschland im Jahresdurchschnitt deutlich weniger Stunden als in Nachbarländern. Daten zeigen, dass die jährlichen Arbeitsstunden hierzulande bei 1343 Stunden liegen, während Italiener 391 Stunden mehr arbeiten. Für stark exportorientierte Branchen wie den Maschinenbau bedeutet diese Lücke ein Risiko für die Abwanderung von Produktion. Die Trumpf-Chefin betont, dass Lösungen gefunden werden müssten, um die Arbeitszeiten zu erhöhen, ohne die Gesundheit der Mitarbeitenden zu gefährden.

Ökonomische Perspektiven: Chancen und Risiken

Mehrere Wirtschaftsvertreter unterstützen die Idee, zumindest einen zusätzlichen Feiertag zu streichen. Der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer sieht darin einen Beitrag zur Finanzierung staatlicher Vorhaben wie Infrastruktur oder Klimaschutz. Ökonomen weisen darauf hin, dass besonders im Frühjahr wetterabhängige Branchen wie das Bauwesen von zusätzlichen Arbeitstagen profitieren könnten, wenn Oster- oder Pfingstmontag entfielen. Kritisch bleibt, dass frühere Experimente wie die Abschaffung des Buß- und Bettags 1995 kaum messbare wirtschaftliche Effekte zeigten. Zudem warnen Experten davor, Produktivität allein von der Anzahl der Arbeitstage abhängig zu machen; Innovation und bessere Arbeitsbedingungen spielen ebenfalls eine zentrale Rolle.

Gewerkschaftliche Bedenken und soziale Folgen

Die Deutsche Gewerkschaftsgemeinschaft, kurz DGB, lehnt die Forderung entschieden ab. Ein gestrichener Feiertag bedeute mehr Arbeit ohne finanziellen Ausgleich, was einer versteckten Lohnkürzung gleichkäme. Zudem trügen gesetzliche Feiertage zur Erholung bei und würden langfristig Überlastung verhindern. Studien der Hans-Böckler-Stiftung zeigen, dass psychische Belastungen und Fehltage bereits heute zunehmen. Eine weitere Ausweitung der Arbeitszeit ohne flexible Modelle könnte diese Entwicklung verschärfen. Betriebsräte in produzierenden Unternehmen berichten zudem von steigendem Widerstand gegen Arbeitsverdichtung, besonders in Branchen mit Schichtdienst.

Praktische Auswirkungen auf die Schichtplanung

Für mittelständische Unternehmen mit kontinuierlicher Produktion könnten die Folgen der Streichung des Ostermontags konkretere Planungsvorteile bringen. Im Frühjahr ließen sich Produktionskapazitäten besser auslasten, da saisonale Schwankungen geringer sind als im Winter. Allerdings müssten Betriebsräte sicherstellen, dass zusätzliche Arbeitstage nicht zu unregelmäßigen Schichtplänen führen, die die Work-Life-Balance belasten. Erfahrungen aus der Automobilbranche zeigen, dass flexible Regelungen wie Freizeitausgleich Akzeptanz schaffen können. Ohne solche Lösungen drohen Konflikte zwischen Management und Belegschaft.

Gemeinsame Lösungen statt Einzelinteressen

Leibinger-Kammüller plädiert für einen Dialog zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaften und Politik, ähnlich der konzertierten Aktion der 1960er Jahre. Nur so lasse sich ein Kompromiss finden, der Wettbewerbsfähigkeit stärkt und soziale Absicherung bewahrt. Für Entscheider im Mittelstand bedeutet dies, lokale Lösungen zu erproben, etwa durch betriebliche Vereinbarungen zu Brückentagen oder den schrittweisen Ausbau von Gleitzeitmodellen. Die Debatte zeigt, dass die Balance zwischen Produktivität und Arbeitsqualität eine zentrale Aufgabe für den Industriestandort Deutschland bleibt.

Gewinnen Sie neue Kunden über das Maschinen Journal
MJ Image

Das Maschinen Journal erreicht jeden Monat tausende Entscheider aus dem industriellen Mittelstand. Nutzen Sie unsere Reichweite, um Ihre Produkte genau dort zu platzieren, wo Kaufentscheidungen entstehen.

Sie wollen mehr Anfragen erzielen?

→ Jetzt Artikel anfragen

Aktuelles

Arbeitslosenzahl über der Drei-Millionen-Grenze

Arbeitslosenzahl über der Drei-Millionen-Grenze

Die Erholung am Arbeitsmarkt bleibt aus. Im April 2026 meldeten sich bundesweit rund 3,008 Millionen Menschen arbeitslos. Gegenüber dem März gab es nur einen geringen Rückgang. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,4 Prozent. Die übliche Frühjahrsbelebung setzte sich in diesem Jahr deutlich schwächer durch als üblich. Die Entwicklung

Hohe Arbeitskosten treiben Firmen in den Personalabbau

Hohe Arbeitskosten treiben Firmen in den Personalabbau

Deutschland erlebt eine Zäsur am Arbeitsmarkt. Die durchschnittlichen Arbeitskosten liegen bei rund 45 Euro pro Stunde. Damit gehört Deutschland zu den teuersten Ländern Europas. Die hohen Kosten belasten Unternehmen zunehmend. Im April 2026 erreichen Pläne zum Personalabbau ein alarmierendes Ausmaß. Das ifo-Institut meldet beim Beschäftigungsbarometer den niedrigsten Wert seit mehr

Vereinigte Arabische Emirate verlassen die OPEC

Vereinigte Arabische Emirate verlassen die OPEC

Die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten am 28. April 2026 ihren Austritt aus der OPEC und dem erweiterten Bündnis OPEC+. Der Schritt tritt am 1. Mai 2026 in Kraft. Damit verlässt einer der weltweit bedeutendsten Ölproduzenten die Organisation. Die Folgen für die globalen Energiemärkte könnten erheblich sein. Geopolitische Spannungen als Auslöser

BP profitiert vom Ölpreisschock, doch Schulden wachsen

BP profitiert vom Ölpreisschock, doch Schulden wachsen

Der britische Energiekonzern BP hat im ersten Quartal 2026 von gestiegenen Ölpreisen profitiert. Das bereinigte Ergebnis lag bei 3,2 Milliarden Dollar. Es war deutlich höher als im Vorjahreszeitraum, der 1,4 Milliarden Dollar ergab. Analysten hatten mit 2,7 Milliarden Dollar gerechnet. BP übertraf diese Erwartung um mehr als