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Pharmaindustrie unter Druck: Warum 2026 die Branche neu sortiert wird

Photo by Simone van der Koelen / Unsplash

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Die Pharmaindustrie steht vor einem schwierigen Jahr. Blockbuster-Medikamente verlieren Patentschutz und Umsätze brechen weg. Die großen Konzerne suchen dringend nach Ersatz. Deutschland verliert als Markt an Bedeutung, weil Preisregeln Neueinführungen unrentabel machen. Entscheider müssen grundlegende Strategiewechsel vornehmen. Der Mittelstand könnte davon ebenfalls betroffen sein.

Das Patentabfall-Problem

Ab 2028 stehen wichtige Patente vor dem Aus. Dann laufen viele Schutzrechte aus, und die Branche verliert schätzungsweise bis 2030 rund 400 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz an Generika. Große Konzerne wie Merck, Novartis und Johnson & Johnson spüren die Folgen. Unternehmen, deren Umsatz stark von einzelnen Medikamenten abhängt, müssen handeln. Die Folge ist ein Anstieg bei Übernahmen und Fusionen. Im Jahr 2025 wurden rund 223 Milliarden US-Dollar in Fusionen und Übernahmen umgesetzt. Analysten erwarten einen weiteren Anstieg im ersten Halbjahr 2026.

Der deutsche Markt verliert an Attraktivität

Eine besondere Entwicklung fällt deutschen Entscheidungsträgern auf: Neue Medikamente kommen in Deutschland später auf den Markt als in den USA oder China. Der Grund liegt in der europäischen Preisregulierung. Während in den USA politische Diskussionen den Preis beeinflussen, bleibt Deutschland hart bei Verhandlungen. Das macht den deutschen Markt für globale Pharmakonzerne weniger attraktiv. Hans Steutel, Präsident des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), warnt: „Selten war es so schwierig abzuschätzen, welche und wie viele neue Medikamente 2026 in Deutschland verfügbar sein werden.“ Der Rückstand zu den USA könnte sich vergrößern. Bereits 2025 brachten Pharmaunternehmen hierzulande nur 36 neue Medikamente auf den Markt, obwohl mehr verfügbar gewesen wäre. Unternehmen verschieben Markteinführungen oder streichen sie ganz, wenn die Preisregulierung keine ausreichende Rendite ermöglicht.

China rückt ins Zentrum der Strategie

Eine Entwicklung verändert die Strategie der Industrie massiv: China entwickelt sich zur Innovationsmacht. 2024 überholte China die USA und Europa bei der Zahl neuartiger Wirkstoffe. Von 81 weltweit neuen Präparaten kamen 28 aus China, 25 aus den USA und 18 aus Europa. Vor zehn Jahren stammte weniger als ein Prozent der globalen Medikamentenentwicklung aus China. Heute sind es rund ein Drittel. Der chinesische Pharmamarkt wird 2025 auf etwa 115 Milliarden US-Dollar geschätzt und wächst schneller als der europäische Markt. Chinesische Unternehmen profitieren von niedrigeren Forschungs- kosten, staatlicher Förderung und zügigeren Zulassungsverfahren. Transaktionen mit chinesischen Pharma- und Biotech-Firmen erreichten 2025 rund 92 Milliarden US-Dollar, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Diese Dynamik wird sich 2026 weiter verstärken. Für westliche Konzerne bedeutet das: Wer Wachstum will, braucht Partnerschaften mit China oder muss Technologie dort einkaufen.

Die neuen Chancen bleiben begrenzt

Der Pharmaverband rechnet damit, dass 2026 rund 30 bis 40 neue Medikamente in die deutsche Gesundheitsversorgung gelangen könnten. Ein Drittel davon richtet sich gegen Krebsarten, knapp ein Drittel gegen seltene Erkrankungen. Doch die Unsicherheit bleibt groß. BioNTech plant zwar eine neue Krebstherapie, solche Erfolgsgeschichten bleiben die Ausnahme. Ein besonders schmerzhaftes Defizit: Neue Antibiotika werden 2026 kaum in Deutschland verfügbar sein. Die Marktbedingungen für Reserve-Antibiotika sind zu unrentabel, Investitionen fehlen. Das ist eine dramatische Entwicklung im Kampf gegen resistente Keime.

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